Ruanda: 3. Rundbrief von Julius Dehne

Ruanda: 3. Rundbrief von Julius Dehne

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freunde, liebe Verwandte und Interessierte,

seit dem 2. Rundbrief ist sehr viel passiert, aber ich fange von vorne an…

Das neue Schuljahr hat begonnen und ich habe endlich wieder fast alle LehrerInnen und SchülerInnen getroffen, außer einem Lehrer, der eine neue Arbeitsstelle im Süden von Ruanda gefunden hat und somit nicht mehr am ETP unterrichtet. Jedoch gab es auch einige neue Lehrer. Einen Lehrer, der den Gegangen ersetzt, einen neuen Mathelehrer, einen neuen Englischlehrer und eine neue Lehrerin für Wirtschaftslehre.
Die neuen Lehrer kamen nicht alle direkt zu Schulbeginn, sondern mussten teilweise zuerst einen Test machen, ob sie dafür geeignet sind. Auch der Englischlehrer kam erst 3 Wochen später und so konnte ich dann in der Zeit davor aushilfsweise ein paar Klassen unterrichten. Dies fiel mir anfangs sehr schwer, denn zum einen war ich nervös das erst Mal alleine zu unterrichten und dann auch noch auf Englisch, zum zweiten waren die Klassen in den ich unterrichtet habe besonders groß, mit ca. 85 SchülerInnen. Es fühlte sich also mehr an als würde ich in einer Uni stehen. Des Weiteren hatte ich auch noch einen leichten Druck, da die Klassen die gleichen Prüfungen schreiben müssen, wie ihre Parallelklassen, also die, die von einem richtigen Lehrer unterrichtet werden. Aber insgesamt lief es doch sehr gut und mit jedem weiterem  Mal das ich mehr in den Klassen war, fiel es mir leichter und ich konnte auch mehr vermitteln.
Der neue Englischlehrer hat dann diese Klassen übernommen und ich habe ihn dann beim Unterrichten begleitet, da man so viel besser mit der Menge an SchülerInnen arbeiten kann.

Dieser enorme Anstieg an Lehrern ist für die Schule und die SchülerInnen sehr gut, jedoch für mich auch bisschen schlecht. Als noch nicht genügend Lehrer da waren, bin ich öfters in verschiedene Klassen gegangen und habe mit ihnen Verschiedenstes gemacht, häufig war es weiterer Englischunterricht, vor allem in gesprochenem Englisch und mit Fokus auf die Fehler, die ich häufiger in den Klausuren der SchülerInnen gelesen habe. Von Einigen habe ich dann auch eine Rückmeldung bekommen, dass sie das gut fanden und teilweise wurde auch der Englischlehrer gefragt, warum er das nicht unterrichten würde. Das hat mich dann doch etwas stolz gemacht.
Durch die neuen Lehrer und einen sinnvollen Stundenplan, der dann erst erstellt wurde, war jedoch nur noch sehr selten eine Klasse frei, wodurch ich dann wieder öfters andere Lehrer begleitet habe.

Die neu gebauten Klassenräume

Es kamen auch viele neue SchülerInnen an unserer Schule, wodurch es nun ca. 950 sind. Somit mussten dann auch neue Klassenräume gebaut werden und der Computerraum vergrößert werden.

Am ersten Februar ist ein  Feiertag zum Gedenken der Helden. Dieser fiel dieses Jahr auf einen Samstag, wodurch die Feierlichkeiten schon am Freitag stattfanden. Hierzu bereiteten die SchülerInnen einige Tänze vor und studierten verschieden Sprechchöre ein, die dann am Freitag vorgetragen wurden. Zu der Feier kamen auch einige Angestellte vom Distrikt Büro, jedoch mit großer Verspätung weshalb schon einige andere Gäste wieder gegangen sind. Das hatte dann die Konsequenz, dass die Feier in kleinerem Umfang 1,5 Wochen später wiederholt wurde. Die Feier am Freitag fand ich sehr interessant, ich habe leider vieles nicht verstanden, doch mir wurde einiges übersetzt. Vor allem fand ich es sehr schön die traditionellen Tänze anzuschauen, zudem diese von den SchülerInnen des ETP vorgetragen wurden.

Die SchülerInnen studieren Sprechchöre ein

Anfang März hatte ich dann mein Zwischenseminar im Süden von Ruanda. Der kleine Ort Kibeho, in dem es stattfand, ist relativ bekannt, da es hier eine heilige Quelle gibt, die in Folge einer Marienerscheinung entstanden sein soll. Das Zwischenseminar war sehr
schön. Man konnte sich endlich mal wieder auf Deutsch unterhalten und vor allem mit anderen, die ähnliche Erfahrungen in den letzten Monaten gemacht haben. Durch diesen Austausch konnte man auch einige Tipps bekommen, was man in Zukunft anders machen könnte, um einen noch besseren Freiwilligendienst zu haben.
Bereits hier haben wir die ersten Meldungen von der Corona-Krise bekommen, aber nicht geahnt welche Konsequenzen es haben könnte.

Nach dem Zwischenseminar hat mich noch eine Freiwillige aus Uganda für ein paar Tage besucht.
Ich bin dann aber schon wieder in die Schule gegangen, da die Examen bereits angefangen haben und dort eingeteilt war zum Helfen. Es hieß also wieder Arbeiten abzählen, diesmal für 18 Räume, zusammentackern und viel Aufsicht machen. Ich war am Anfang wieder in den zwei Essenshallen unterwegs und hätte zum Ende der Examen auch mal alleine Aufsicht machen sollen. Die Arbeiten dauert diesmal nicht so lange, wodurch ich gegen 2 Uhr meistens die Schule wieder verlassen konnte. Auch habe ich wieder ein bisschen korrigiert, diesmal auch die Texte, da ich dazu einen relativ klaren Erwartungshorizont vorgegeben bekommen habe.
Es wurden jedoch nur eine halbe Woche Arbeiten geschrieben. Am Sonntag den 15.3 wurde sie wegen den ersten Coronafällen in Ruanda abgeschlossen.

Am Montagabend bekam ich dann eine E-Mail von meiner Organisation, dass ich möglichst bald nach Deutschland zurückkehren solle. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat alle Freiwilligendienste über weltwärts abgerochen. Das war für mich ein großer Schock und auch sehr traurig. Hinzu kam, dass einige LehrerInnen, genauso wie die SchülerInnen, nach Hause gefahren sind über das Wochenende und wegen der Schulschließung nicht zurückgekehrt sind. Ich konnte mich somit von vielen Menschen nicht verabschieden. Ich buchte also einen Flug, der jedoch aufgrund von einer Schließung des Flughafens in Ruanda wieder gestrichen wurde. Die Abreise wurde also noch stressiger, da ich noch früher in die Hauptstadt fahren musste. Somit flog ich bereits am 20.03 nach Frankfurt und konnte mich auch nicht mehr von meiner Gastfamilie in Kigali verabschieden. Ich konnte den Beschluss des Ministeriums zu der Zeit nicht nachvollziehen und war auch sehr traurig darüber.
Momentan bin ich jedoch froh in Deutschland zu sein, da auch in Ruanda nun eine strikte Ausgangssperre herrscht und ich hier wenigstens nicht alleine wohne.

Abschied am Flughafen

Auch wenn mein Freiwilligendienst nun vorbei, werde ich sobald wie möglich wieder nach Ruanda zurückkehren und mich dann richtig von allen zu verabschieden.

Dies war nun auch mein letzter Rundbrief, ich hoffe auch diesmal, dass er euch gefallen hat.

Ich danke euch für die Unterstützung bei meinem Freiwilligendienst und wünsche alles Gute.

Liebe Grüße

Julius

Aussicht auf Nyarurema und Buguma