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Ruanda: 3. Rundbrief von Lukas Wendling

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Interessierte, liebe Freunde und Familie,

nach ein paar Monaten wird es mal wieder Zeit, dass ich mich bei euch/Ihnen mit einem Rundbrief melde. Dieser Rundbrief berichtet über meinen momentanen Freiwilligendienst in Ruanda im Zeitraum zwischen Februar und Juni. In dieser kurzen Zeit ist wieder einiges bei mir passiert. Aber zu aller erst ein paar Gedanken meinerseits.

Sein Leben mit anderen Menschen zu teilen, sei es auf materieller Ebene, indem man ein gemeinsames Abendessen mit einem Bierchen genießt, sei es auf der zwischenmenschlichen Ebene, indem man Gedanken, Gefühle und Ideen mit anderen Menschen teilt, ist mir in meiner Zeit hier in Ruanda wichtiger den je geworden. Auch in Deutschland schon war diese Einstellung in meiner Persönlichkeit fest verankert. Jedoch ist mir auch klar geworden, dass alleine und nur für sich selbst zu sein, auch mal seinen Reiz hat. Man hat Zeit, über sein Handeln und sein Benehmen beziehungsweise Auftreten in aller Ruhe nachzudenken. Ich habe viel Zeit mit Menschen zusammen verbracht, aber auch viel Zeit alleine. Ich habe sehr viel nachgedacht. Beispielsweise über meinen Glauben bzw. meine Spiritualität, meine Vergangenheit und meine Zukunft. Sich dies mal alles in den Kopf zu rufen hat mir sehr viel gegeben in letzter Zeit und ich kann euch/Ihnen nur wärmstens ans Herz legen, sich selbst mal eine Auszeit von allem zu nehmen. Eine Auszeit von den kopfvernebelnden Medien, dem sozialen- und vor allem dem zeitlichen Druck. Es muss nicht gleich ein ganzes Jahr sein, ich denke es reicht auch schon ein Tag.

Projekt:

Nach wie vor arbeite ich an der Ecole Technique Paroissiale im kleinen Örtchen Nyarurema. Mein Englisch-Club neigt sich so langsam schon dem Ende zu, da es bis zum Examen Mitte Juli nicht mehr weit ist. Dann schreiben die Schüler ihre Prüfungen bevor am 1. August dann die zweieinhalbwöchigen Termferien beginnen. Die Arbeit an der Secondary-School macht mir weiterhin sehr viel Spaß und der kulturelle Austausch auf Englisch steht immer noch im Vordergrund. Allerdings habe ich in letzter Zeit ein paar Meinungsverschiedenheiten mit meinem Mentor Mugisha, welcher auch der Schulleiter und ein Priester ist. Er hat nämlich im Mai, mitten im Term, meinen besten Freund Pascal ohne triftigen Grund gefeuert. Pascal, muss ich dazu sagen ist 26 Jahre alt und ein Construction Lehrer an der E.T.P gewesen. Der Grund für die Entlassung sei laut Mugisha, dass es Beschwerden der Schüler über seinen Unterricht gäbe. Allerdings weiß ich genau, dass Pascal allgemeine Beliebtheit von den Schülern genießt. Mugisha aber nicht. Pascal war einer der Einzigen, der Mugisha offen kritisiert und seine Meinung äußert. Die freie Meinungsäußerung gehört für mich zu einem guten Arbeitsklima dazu und wenn mein Mentor dies nicht zulässt läuft hier eindeutig etwas schief. Jedoch begegne ich Mugisha weiterhin mit Respekt und muss seine Entscheidung akzeptieren.

Mit dem Aquaponik kam es in den letzten Monaten ein wenig voran. Die Stelle auf der das System gebaut werden soll wurde von mir und ein paar Arbeitern begradigt und ausgehoben. Außerdem wird es nun in engster Zusammenarbeit mit der Jumelage weitergehen. Die Jumelage ist das Partnerschaftsbüro zwischen Ruanda und dem Land Rheinland-Pfalz mit dem Sitz in Kigali. Der Baukoordinator Franz Eichinger und ich stehen momentan in regelmäßigem Kontakt und versuchen das Projekt nun gemeinsam durchzuführen. Beispielsweise haben wir gemeinsam mit dem Johannes-Gymnasium Lahnstein beschlossen, dass die Becken demnächst von einer professionellen Firma mauern lassen, damit die Wasserdichtigkeit gewährleistet wird. Allerdings bezweifle ich, dass ich noch an der aktiven Bauphase, aus zeitlichen Gründen, teilnehmen kann. Außerdem sieht Eichinger dieses „Pionier-Projekt“ nur als den Anfang für eine nachhaltige Nahrungserzeugung in Ruanda. Er wird versuchen, wenn bei uns alles gut funktioniert, das Aquaponik-System auch an anderen Schulen zu etablieren.

Der vorgesehene Platz für das Aquaponik an der E.T.P

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein Zwischenseminar:

Mitte Februar stand unser Zwischenseminar auf dem Plan. Also fuhren meine Mitfreiwilligen, Adrian und Claire, 13 Stunden mit dem Bus nach Jinja. Jinja ist eine sehr touristisch geprägte Stadt in Uganda am Ufer des Viktoria-Sees. Wir verbrachten 9 Tage in einer kirchlichen Herberge. Zusammen mit 13 weiteren Freiwilligen aus Uganda, Ruanda und Sambia behandelten wir die unterschiedlichsten Themen in dieser Zeit. Von der Reflexion des ersten halben Jahres über Sexualität, Gewalt und Spiritualität bis zu den eigenen Erwartungen und Wünschen für das folgende halbe Jahr war alles dabei. Wir sind sehr eng zusammengewachsen in dieser kurzen Zeit und es war eine große Abwechslung für mich mal einen längeren Zeitraum wieder nur Deutsch zu reden. Gemeinsam besichtigten wir auch bei einer Bootstour die Quelle des Nil und verbrachten sehr schöne Abende zusammen. Weil das Seminar am Freitag endete beschlossen wir gemeinsam, dass wir noch in die Hauptstadt Ugandas, Kampala, fahren um dort einen Abschlussabend zu verbringen. Dann ging es für uns wieder nach Hause. Nach Ruanda.

Ich, an der Quelle des Nil’s

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andere Freiwillige meines Zwischenseminars

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Besuch über Besuch über Besuch:

Zuallererst kamen , Anfang Februar, die Bildungsreferentin und „Afrika-Verantwortliche“ vom SoFiA e.V, Anne Ferner-Steuer in Begleitung meines Mitfreiwilligen Adrian hier in Nyarurema auf einen Projektbesuch vorbei. Wir unterhielten uns über Problematiken in meinem Projekt. Nach einem netten Abendessen bei den Priestern im Parish, beschlossen wir, dass es von Nutzen wäre, einen zweiten Mentor für den Freiwilligen in Nyarurema „einzustellen“. Gemeinsam beschlossen wir, dass von nun an Father Ildephonse diese Aufgabe übernimmt. Grund für den zweiten Mentor ist, dass Mugisha, sehr beschäftigt mit der Leitung der Schule und seinen anderen Verpflichtungen als Priester ist. Somit stehen mir von nun an zwei Ansprechpartner zur Verfügung. Außerdem ist nie gewiss wann ein Priester, der als Schulleiter einer katholischen Schule eingesetzt ist, versetzt wird. Außerdem haben wir noch einige Kleinigkeiten besprochen, wie beispielsweise die Verträge zwischen dem SoFiA e.V und dem Parish in Nyarurema.

Mentor Mugisha, Anne und ich

 

 

 

 

 

 

 

 

Als nächstes kam mich im Mai mein Sandkastenfreund Jannik Schladt für 8. Tage besuchen. Ich zeigte ihm meine Schule, mein Projekt und mein Leben hier in Nyarurema. Außerdem machten wir (meine allererste) Safari durch den Akagera-Nationalpark und erkundeten Kigali ein bisschen. Alles in Allem ein schöner, kurzer Besuch eines sehr guten Freundes.

Jannik & ich an meinem Lieblingsplatz

Und dann, ein paar Wochen später, nämlich im Juni, kam eine Delegation des Johannes-Gymnasiums in Lahnstein nach Ruanda. Begleitet von Herrn Ackermann und Herrn Hübner verbrachte ich insgesamt 2 Wochen mit den 13 Zwölftklässlern. Meine Funktion bei der kompletten Begegnungsreise war es, als Ansprechpartner für Schüler und Lehrer zu fungieren und als Orts- und Sprachkundiger die Delegation zu unterstützen. Zuerst fuhren wir für 5 Tage gemeinsam nach Nyarurema. Im Gepäck hatten die Schülerinnen und Schüler schon ein paar Materialien für das Aquaponik aus Deutschland. Beispielsweise die Helix, welche für den Biofilter benötigt werden und sogar schon die Rohre für den Kreislauf. Auch die Schüler lernten Franz Eichinger von der Jumelage kennen und wir besprachen gemeinsam die weitere Vorgehensweise. Nach besuchen des Unterrichts an der E.T.P, viel Austausch und sogar einem Volleyball- und Basketballspiel gegen eine andere Schule, bei dem die Schüler des Johannes-Gymnasiums und der E.T.P gemeinsam auf dem Feld standen ging es dann weiter nach Kayonza am Lake Muhazi. Da dieser Ort am nahegelegendem Eingang des Akagera-Nationalparks liegt, verbrachten wir dort auch zwei Nächte und machen zusammen mit 5 Schülern der Ecole Technique Paroissiale und Mugisha eine Safari (meine zweite). Weiter ging es nach Butare/ Huye ganz im Süden Ruandas. Unterwegs machten wir einen Zwischenstopp in Nyanza, im alten Königspalast. In Butare besuchten wir das Nationale Ethnografische Museum, eine Kaffee-Farm und eine Gedenkstätte des Genozids von 1994 in der knapp 50.000 Opfer vergraben liegen. Danach wanderten wir 3 Stunden durch den Nyungwe-Nationalpark, einer der letzten und größten Bergregenwälder unseres Planeten mit einer atemberaubenden Natur. Weiter ging es nach Kibuye, einer sehr touristisch geprägte Stadt am Kivu-See. Nach einer Bootstour und zwei Nächten ging es zurück nach Kigali und dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen. Wer den kompletten Reise-Blog der Schüler lesen will kann dies auf folgender Website tun:

http://www.johannes-gymnasium.de/johannes_gymnasium/Blogs/Ruanda%202018/

Selbst die Delegation wanderte an meinen Lieblingsplatz.

Meine Gedanken:

Ganz so einfach wie das erste halbe Jahr waren die letzten Monate nicht für mich. Es gab verhältnismäßig viel Besuch, aber auch Arbeit in der Hinsicht meiner Zukunft für mich. Erfreulicherweise werde ich ab dem 1. Oktober, Sozialwissenschaften: Migration & Integration an der KH Mainz studieren.

Außerdem gab es in meinem Umfeld leider Gottes einen Todesfall, der mich sehr beschäftigt hat und es immer noch tut. Nämlich der plötzliche Tod unseres „J-GCL Großvaters“ Pater Ernst Karbach. Für diejenigen die ihn nicht kannten: Er war ein Ordenspriester der Arnsteiner Patres gewesen und hat  früher das Johannes-Gymnasium geleitet. Pater Karbach war der letzte Priester seines Ordens an unserer Schule und hat vor mehr als 40 Jahren, die Jungendverbände der Gemeinschaft Christlichen Lebens an meiner Schule etabliert. Ein Jugendverband indem ich noch heute aktiv bin. Pater Karbach war für mich wirklich wie ein Ersatzgroßvater. Er war eine wichtige Person für meine Charakterbildung und generell in meinem Leben.

Jedoch schaue ich weiterhin nach vorne und denke positiv. Außerdem werde ich von nun an bewusst meine letzte Zeit in meinem geliebten Ruanda genießen. Tut mir Leid für die Verspätung dieses Rundbriefes, aber ich brauchte Zeit um meine Gedanken und Erlebnisse zu sammeln.

Ich hoffe euch und Ihnen geht es allen gut und erwartet meinen 4. Rundbrief in den kommenden Wochen.

Peace.

Dieser Rundbrief ist Pater Ernst Karbach gewidmet. 05.07.2018

Quelle: http://www.johannes-gymnasium.de/johannes_gymnasium/Service/News-Archiv/2018/Todesanzeige_Karbach/

Hier noch ein paar Bilder

Schüler beider Schulen, gemeinsam am arbeiten
Sonnenuntergang am Lake Muhazi in Kayonza
Giraffen des Akagera-Nationalparks
Nilpferde des Akagera-Nationalparks
Die Safari-Crew
Der Alte Königspalast in Nyanza
Markt in Jinja, Uganda

Quellen einiger Bilder: http://www.johannes-gymnasium.de/johannes_gymnasium/Blogs/Ruanda%202018/

http://www.johannes-gymnasium.de/johannes_gymnasium/Service/News-Archiv/2018/Todesanzeige_Karbach/

Ruanda: 2. Rundbrief von Lukas Wendling

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Interessierte, liebe Freunde und Familie,

ich lebe nun schon seit knapp einem halben Jahr in dem kleinen, mir zunächst fremdem aber doch so wundervollem Ruanda. In den letzten Monaten ist sehr viel passiert und ich versuche es auch so ausführlich wie möglich zu beschreiben. Die Reise ins Neue und Ungewisse ist für mich nun mein Alltag geworden. Ich habe mir hier quasi ein neues, zweites Leben aufgebaut. Es fühlt sich so an, als hätte ich zwei Leben in zwei verschiedenen Welten. Mir war von vorneherein klar, dass ich mich auf eine komplett neue Kultur einlassen werde und mein bekanntes und gewohntes Leben in diesem Jahr hinter mir lasse. Doch nun genau das zu erleben, einfach mittendrin zu sein, ist einfach unbeschreiblich. Zu sehen, dass das Leben auch anders funktioniert, als mit der neusten Technik, dem streben nach Erfolg und einem hohen gesellschaftlichem Druck. Es kann so einfach sein und wenn man genau hinschaut, kann man in dieser Einfachheit sehr schöne Dinge erkennen. Ruanda: 2. Rundbrief von Lukas Wendling weiterlesen