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1. Rundbrief aus Ruanda von Tamara Schön

 

Muraho, muraho!

ich bin nun schon fast 2 Monate hier und es ist auch schon einiges passiert, von dem ich euch in diesem Brief gerne erzählen möchte.

Ankunft in Ruanda
Nach einer sehr schönen Abschiedsfeier in Deutschland und einer anstrengenden Anreise nach Ruanda mit Zwischenstopp in Katar sind Julius, mein Mitfreiwilliger und ich dann endlich in Kigali, der Hauptstadt Ruandas, angekommen. Ich wurde total lieb mit vielen Geschenken und Fotos willkommen geheißen. Unter dem Empfangskomitee war auch mein Gastbruder Deo, mit dem ich auch schon vorher Kontakt hatte. Es war echt schön, ihn endlich persönlich kennenzulernen. Nach einer kurzen Verabschiedung von Julius, der erst einmal mit seinem Vorfreiwilligen Felix in Kigali geblieben ist, ging es für mich dann auch direkt weiter nach Matimba. Das hieß dann nochmal 5 Stunden Fahrt mit dem Auto. Matimba liegt in der Ostprovinz, wobei es eine der nördlichsten Städte in Ruanda ist. Was mich immer noch ein wenig verwirrt, ist, dass man mit dem Bus innerhalb von ca. 20 Minuten in Uganda ist. Als wir dann endlich angekommen waren, wurden wir auch schon sehnsüchtig von meiner Gastfamilie und vielen weiteren Menschen die mich begrüßen wollten erwartet. Ich wurde total herzlich empfangen und begrüßt. Nach einem wirklich leckeren Abendessen musste ich mich auch relativ schnell abkapseln, weil ich einfach zu erschöpft war.

Auf geht’s!- Julius und ich im Flieger von Frankfurt nach Katar
Meine Gastmutter Mary und ich am ersten Abend

Matimba
In meiner Gastfamilie lebe ich zusammen mit meiner Gastmutter, drei Brüdern und drei Schwestern. Allerdings studieren meine drei Schwestern alle in Kigali, der Hauptstadt Ruandas. Im Nachbarhaus wohnt meine Gasttante. Mein Mentor ist sehr bald, nachdem ich angekommen bin für mehrere Wochen nach Deutschland geflogen, weswegen wir erst einmal nicht die Chance hatten, über meine zukünftige Arbeit in der Schule zu sprechen

Die Kühe grasen auf einem großen Feld neben der Farm

und einen Plan zu erstellen. Als Überbrückung habe ich zwei Mal die Woche wirklich hilfreichen Unterricht in Kinyarwanda (der Sprache Ruandas) bekommen und einem Mädchen, das nächstes Jahr als Freiwillige nach Deutschland geht, zwei Mal pro Woche Deutsch unterrichtet. Dennoch hatte ich vor allem anfangs viel Freizeit. Ich muss zugeben, dass es zu dieser Zeit nicht so leicht war, mich zu beschäftigen vor allem, da auch meine drei Brüder Deo, Emmi und Shema alle durch Arbeit und Schule beschäftigt waren. Wenn sie allerdings zu Hause waren, dann haben sie mir Matimba gezeigt und wir haben zusammen die Farm der Familie besucht. Dort sind wirklich viele Kühe, Ziegen und man sieht auch manchmal ein, zwei Hühner herumrennen. Ich durfte sogar eine Kuh melken, was eine wirklich tolle Erfahrung war. Beim Melken wird darauf geachtet, dass jede Kuh danach noch genug Milch für ihr Kalb hat.

Hier melke ich zum ersten Mal eine Kuh

Des Öfteren habe ich meiner Gastmutter beim Kochen geholfen oder Dinge neu gelernt, wie etwa die Wäsche auf eine Art zu waschen. Denn hier wird, anders als ich es gewohnt war, die Wäsche mit der Hand gewaschen. Außerdem haben wir ein Hausmädchen, das jeden Tag die Töpfe wäscht und das Haus sauber macht. Mir wurde häufiger angeboten, ihr meine Wäsche zu geben. Allerdings möchte ich die Wäsche lieber selbst waschen, damit ich auch dazulerne.

Mittlerweile gibt es etwas mehr für mich zu tun, obwohl wir immer noch keinen Arbeitsplan für mich erstellt haben. Es hat sich eine Gruppe gebildet, die gerne Volleyball spielt, was mich sehr freut und welcher ich sofort beigetreten bin, da hier meistens nur Basketball oder Fußball gespielt werden und ich das nicht so sehr mag. Des Weiteren besuche ich ab und zu Matimbas „Haarschule“. Dort lernen junge Frauen wie man die unterschiedlichsten Frisuren macht (wie der Name schon sagt). Ich schaue allerdings erst mal nur zu, bevor ich mich an Haaren versuche. Ich freue mich schon darauf, an der Schule im Nachbarort zu arbeiten, was allerdings leider immer noch vorbereitet wird.
Matimba ist wunderschön. Ich bin hier in einem zweiten Zuhause angekommen. Von allen Einwohnern werde ich hier sehr freundlich begrüßt und willkommen geheißen. Man begrüßt sich hier die ganze Zeit auf den Straßen. Es macht mir sehr viel Spaß die Leute auf Kinyarwanda zu begrüßen, weil die meisten nicht erwarten, dass ich die Sprache spreche, auch wenn ich noch nicht so viele Wörter kenne.

Kigali
Da ich mich noch um das Visum kümmern musste, bin ich auch sehr bald wieder mit dem Bus nach Kigali gefahren. Ich war zusammen mit meinem ältesten Bruder Deo unterwegs, der auf dem Weg nach Musanze war, weil er dort studiert. Angekommen in Kigali habe ich dann die zwei Vorfreiwilligen Felix (Nyarurema) und Leonhard (Kigali) richtig kennenlernen dürfen, die mich mit ihren Kinyarwanda-Kenntnissen wirklich sehr beeindruckt haben. Vor allem, wenn sie mit den Mototaxis verhandelt haben. Außerdem muss ich ehrlich sagen, dass es am Anfang schon echt beängstigend war auf so einem Moto herumzufahren. Neben meinen Erledigungen wegen des Visums und den schönen Abenden mit den anderen Freiwilligen, habe ich auch meine Gastschwestern Rebecca, Donah und Dominah in Kanombe (einem Stadtteil in Kigali) besucht, um auch sie kennenzulernen. Donah und Dominah sind Zwillingsschwestern, weswegen mein Bruder Deo auch Cyiza genannt wird, da Kinder, welche nach Zwillingen geboren werden, traditionell immer Cyiza heißen.
Kigali ist zwar voll von Menschen aber auch wirklich schön. Es gibt dort ein Hotel, von dessen Dachterrasse, wo auch ein Restaurant ist, man auf ganz Kigali schauen kann und, wo ich ganz gerne hingehe, wenn ich in Kigali bin. Obwohl es mitten in der Metropole ist, kann man dort wirklich gut Ruhe finden. Wenn ich in Kigali bin, schlafe ich meistens bei meinen Schwestern. Dort teile ich mir ein Bett mit meiner ältesten Schwester Rebecca. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich immer dort willkommen bin. Daher freue ich mich jedes Mal, wenn ich Matimba verlasse und meine Schwestern in Kigali wiedersehen kann.
Nach einiger Zeit habe ich mich dazu entschieden mal etwas Neues mit meinen Haaren ausprobieren.

Während des Flechtens

Ich muss ehrlich sagen, dass ich nach 19 Jahren mit den gleichen Haaren etwas gelangweilt war. Viele Frauen hier haben Braids oder Dreadlocks, was total schön aussieht und mich wahrscheinlich ein wenig in meiner Entscheidung beeinflusst hat. Das Flechten hat dann 4,5 Stunden gedauert. Ich fand das echt verdammt anstrengend, obwohl die Frau das Kunsthaar weniger festgezogen hat als üblich. Normalerweise wird so fest gezogen, dass man sicherlich die erste Nacht mit der neuen Frisur nicht schlafen kann. Ich bin also echt froh, dass sie das bei mir nicht so fest gemacht hat.

Claudine und ich in den imishanana

Eine Hochzeit nach der anderen
In den zwei Monaten, in denen ich erst hier bin, wurde ich schon auf drei Hochzeiten eingeladen, meine Familie sogar auf noch mehrere. Die erste Hochzeit hat zum Teil in Matimba und zum Teil in Nachbarorten stattgefunden. Auf dieser waren auch Felix und Julius eingeladen. Wir waren eine Art Hochzeitsdiener, ohne, dass ich so richtig wusste was das ist oder es verstanden habe. Vorher hatten wir uns im zukünftigen Zuhause des Brautpaares getroffen und man hat mir ein traditionelles Kleid angezogen, das auch umushanana genannt wird. Claudine, die Reverse-Freiwillige von 2016 (=Freiwillige*r aus einem anderen Land in Deutschland) und ich hatten das gleiche Kleid an, weil wir bei der Zeremonie nebeneinander einglaufen sind. Auch Felix und Julius haben traditionelle Kleidung bekommen. Als wir dann alle entsprechend angezogen waren, ging es schnell im Auto zu dem Ort, wo der traditionelle Teil der Hochzeit stattfand. Da alles in Kinyarwanda war, habe ich leider nicht besonders viel verstanden, aber natürlich war es dennoch eine sehr schöne Feier. Nach einigen Ansprachen gab es dann Essen für die Gäste- Die Braut, die vorher auch ein umushanana getragen hatte, hat währenddessen ihr Hochzeitskleid angezogen, damit sie sich direkt auf den Weg in die Kirche machen konnte, um dort den kirchlichen Teil der Hochzeit zu vollziehen. Zu vielen Festlichkeiten wird gerne ein umushanana angezogen. Für uns ging es nach dem Essen auch in die Kirche und danach wieder zurück zu dem Haus des Bräutigams, wo ich dann endlich wieder meine andere Kleidung anziehen konnte. Eine echte Erleichterung, weil das Kleid sehr fest zugeschnürt wurde.
Der traditionelle Teil der anderen Hochzeiten verlief immer sehr ähnlich. Allerdings war ich nur bei der ersten ein „Hochzeitsdiener“. Alle drei Hochzeiten waren wirklich sehr interessant und schön.

 

Gottesdienste
Zum ersten Mal war ich an Maria Himmelfahrt im Gottesdienst. Das war total beeindruckend. Am Eingang standen fünf Trommler, die zum Einzug des Pfarrers und der Messdiener festlich getrommelt haben. Während den Liedern wurde geklatscht und getanzt. Sogar der Pfarrer hat zusammen mit den Messdienern angefangen zu tanzen. Diese festliche Stimmung hat man noch den ganzen Tag gespürt. Meistens geht ein Sonntagsgottesdienst von 7:30 Uhr bis circa 10:00 Uhr. Dass es so viel länger ist als ein normaler Gottesdienst in Deutschland, merkt man meiner Meinung nach durch die festliche Stimmung gar nicht.

Die anderen Chormitglieder und ich beim Ausgeben

Chor
Ich bin hier in Matimba einem Chor beigetreten, der sich zwei Mal pro Woche (für jeweils 2-3 Stunden!!!) trifft, um zu singen. Als ich beigetreten bin, hatten sie auch schon einiges für ein anstehendes Fest geplant. Bei diesem sollte ich die Gäste, zusammen mit anderen Chormitgliedern, bedienen. Das hat dann darin geendet, dass ich Strohhalme verteilt habe und so natürlich die wichtigste Aufgabe von allen hatte . Auch für dieses Fest galt es, ein umushanana anzuziehen. Mittlerweile war ich sogar durch die vielen Hochzeiten daran gewöhnt dieses traditionelle Kleid zu tragen, wobei das Einkleiden wirklich kompliziert ist. Es wurden sehr viele Ansprachen gehalten. Das Fest war sehr schön, wobei ich immer noch nicht ganz verstanden habe, warum es gefeiert wurde.

 

Geburtstage und Brochette

Shemas Geburtstagskuchen

In der Zeit, in der ich hier war, hatten schon 2 meiner Brüder und auch der Seminarist (Priesterkandidat) des Priesterhauses in Matimba Geburtstag. Zuerst war Emmis 20. Geburtstag. Leider war er ziemlich erkältet, was uns aber nicht davon abgehalten hat auszugehen, um Brochette in einem Restaurant zu essen. Das ist ein ruandisches Gericht, welches besonders gerne zu besonderen Anlässen gegessen wird. Dabei handelt es sich um gegrilltes Ziegenfleisch am Spieß, was echt nur zu empfehlen ist. Dem Seminaristen Albert haben wir, eine Freundin und ich, Akarabo (das ist eine Art Keks aus Süßkartoffeln) gekauft und etwas gesungen. Albert hat mir auch von einer Geburtstagstradition hier in Ruanda berichtet, auf die ich mich jetzt schon freuen sollte. Das Geburtstagskind kann nämlich den ganzen Tag über von allen möglichen Menschen nassgespritzt werden. Der dritte Geburtstag war der meines Bruders Shema. Er geht in der Nähe von Kigali zur Schule, weswegen ich ein weiteres Mal nach Kigali gefahren bin. Dort haben Donah und Dominah eine kleine Überraschungsparty mit der Familie geplant. Es gab Kuchen und Brochette und es wurden viele Fotos gemacht.

 

An Emmis (Mitte) Geburtstag mit Shema (links)
An Shemas Geburtstag in Kigali

So, damit komme ich zum Schluss meines ersten Rundbriefes aus Ruanda. Ich bedanke mich für eure Unterstützung. Falls es Fragen gibt, beantworte ich diese sehr gerne! Ich hoffe, dass er euch der Rundbrief gefallen hat. Ich freue mich schon darauf, euch von den kommenden Erlebnissen und Erfahrungen zu berichten.
Bis Bald!
Tamara