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Bolivien: 1. Rundbrief von Lara Burg

Liebe Leute,

kaum zu glauben, dass ich nun schon einen ganzen Monat hier in Bolivien bin. Höchste Zeit euch von meinen zahlreichen ersten Eindrücken zu berichten!

 

Die Reise

Am 4. August 2019, nachdem in den Tagen vorher der Stress der letzten Vorbereitungen, sowie die Vorfreude gestiegen war und ich mich auch von den letzten Freunden und Familienmitgliedern verabschiedet hatte, ging es endlich los! Das vorher immer noch so fern scheinende Ziel, die Reise nach Bolivien, startete… in Luxemburg. Begleitet von meinen Eltern und Geschwistern und bepackt mit Rucksäcken und Koffern jeglicher Größe, traf ich dort auf die anderen sieben Freiwilligen, die ich von den vielen SoFiA-Seminaren auch schon kannte.

Nachdem sich dann alle, manche tränenreicher manche weniger, von ihren Familien verabschiedet hatten, ging es wirklich los! Ab durch die Passkontrollen, zum Gate und… schneller als gedacht fanden wir uns in Madrid, empfangen von 40°C und strahlendem Sonnenschein, wieder. Trotz der Entscheidung, den zehnstündigen Aufenthalt im Flughafen zu verbringen und nicht in die Stadt zu fahren, hätten wir am Ende beinahe unseren Flug verpasst… Dass wir letztendlich im Flieger saßen, ist ein kleines Wunder, denn erst kurz vor dem Boarding wurde uns bewusst, wie unglaublich groß der Flughafen eigentlich war und dass wir mal eben noch eine halbe Stunde mit einem unterirdischen Zug zum richtigen Gate fahren mussten. Nichtsdestotrotz, um 22Uhr saßen wir alle (mit leicht roten Köpfen) in unserem Flugzeug und waren bereit! Das Flugzeug allerdings nicht… mit einer Verspätung von 40 Minuten starteten wir dann in die Nacht und kamen in den frühen Morgenstunden in Santa Cruz an. Dort hieß es dann ein letztes Mal in den Flieger steigen und den mit Abstand schönsten Flug erleben.  Der Blick, der sich einem bietet, wenn man bei Sonnenaufgang über die Anden fliegt, ist wirklich einmalig und hat viel zu der euphorischen Stimmung beigetragen, die herrschte, als wir nach einer 30-stündigen Reise, endlich in El Alto ankamen.

Das Einführungsseminar in La Paz

La Paz ist mit etwa 760.000 Einwohnern, die drittgrößte Stadt Boliviens (nach Santa Cruz und El Alto) und beherbergt den Regierungsitz des Landes. Durch den Teleférico, einem Seilbahnnetz, welches durch die ganze Stadt führt, ist das auf etwa 3500 Meter gelegene La Paz mit El Alto (4100m) verbunden, sodass man innerhalb weniger Minuten von einer zur anderen Stadt kommen kann. Ihren besonderen Flair bekommt La Paz durch eben diese landschaftlichen Gegebenheiten (Blick auf Berge mit Schnee), aber auch das Stadtleben: enge Straßen, bunte Häuser, der Verkehr und viele Menschen (die teilweise auch in farbenfrohen Trachten und sehr traditionell gekleidet durch die Straßen laufen).

Herzlich empfangen von unserer Freiwilligen-Koordinatorin Isabel und Jhamir tauchten wir, immer noch unglaublich beeindruckt, von dem Stadtbild, welches wir vorher aus dem Flugzeug gesehen hatten, dann auch schon direkt in den Verkehr ein. Auf einen Minibus wurde im Nullkommanix unser Gepäck geschnürt und wir fuhren, mit kleinem Aussichts-Stop, runter nach La Paz.

Angekommen im Kloster, in dem wir die nächsten zwei Nächte verbringen würden, trafen wir auf die sieben Freiwilligen aus Hildesheim, die wir teilweise auch schon kannten und nach einem kurzen Frühstück ging es auch schon, ohne großes Ausruhen, weiter in das Büro der Hermandad, in dem unserer Einführungsseminar stattfand. Die Hermandad (bedeutet Bruderschaft/Schwesterschaft) ist eine Abteilung der bolivianischen Bischofkonferenz, die die Freiwilligenarbeit koordiniert, also sowohl deutsche Freiwillige in Bolivien begleitet, als auch bolivianische Freiwillige nach Deutschland entsendet. Geleitet wurde unser Seminar von Isabel und Jhamir, sowie drei ehemaligen Freiwilligen, die von ihren Erfahrungen berichteten. Sinn des Seminars war es, uns vor klassischen Fettnäpfchen zu bewahren und uns bestimmten Themen, wie Verhalten in Gastfamilien, Verkehr (in welches Taxi steige ich ein?) und Ritualen (Frauen begrüßen sich mit Küsschen auf die Wange, Männer mit Umarmung-Handschlag-Umarmung, usw….) näher zu bringen.

Gleich am ersten Nachmittag machten wir dann auch schon den ersten Ausflug nach „Valle de la Luna“, eine Landschaft, die dem Mond gleicht und die ein viel besuchtes Ziel darstellt. Aufgrund des Jetlags, des über 30 stündigen nicht vorhandenen Schlafes und dem Einfluss der enormen Höhe jedoch, konnten die meisten den Ausflug nur so mittelmäßig genießen und mir persönlich kommt der ganze erste Tag auch immer noch vor wie ein Traum.

Die folgenden zwei Tage liefen ähnlich ab: vormittags Seminar, nachmittags Ausflug; sodass wir noch einiges von der Stadt sehen konnten. Neben einer Fahrt mit dem Teleférico besichtigten wir auch die „Hexengasse“. Eng aneinander gereiht gibt es viele kleine Lädchen, die Taschen und Pullis in bunten Stoffen oder aus Alpaka-Wolle, sowie Süßigkeiten, Cocablätter und andere Inhalte für Opfertische verkaufen.

 

Coca-Blätter

 

 

Opfergaben für Pacha Mama

Unseren letzten gemeinsamen Abend in La Paz verbrachten wir dann in einer Karaokebar, lernten viele spanische Lieder kennen und die bolivianische Art Sangria zu trinken. Am nächsten Tag ging es dann nachmittags für alle Richtung Sprachkurs, den wir in unterschiedlichen Städten haben würden. Zusammen mit sechs anderen Freiwilligen hieß es für mich: „Auf nach Santa Cruz de la Sierra!“

Santa Cruz de la Sierra

Dank der flota, einem ziemlich bequemen Reisebus, ließen wir dann in den folgenden 18 Stunden etwa 3000 Höhenmeter und 550km Strecke hinter uns. Wie sehr sich die Landschaft geändert hatte wurde uns erst klar, als wir morgens umgeben von grünen Wiesen mit Kühen, Orangen-, Mandarinen- und Papaya-Plantagen und Palmen, aufwachten. Am Busbahnhof angekommen wurden wir sehr herzlich (mit viel Kuchen, Saft, Umarmungen und blitzenden Kameras) von unseren Gastfamilien empfangen.

Abgeholt von meiner Gastmutter Isabel, genannt la „Chavy“ und meinem Coach Raúl (der selber einmal Freiwilliger in Deutschland war), ging es nach einem schnellen Mittagessen endlich in mein Zuhause für die nächsten vier Wochen. Dort lernte ich auch gleich meinen Gastbruder John und seine beiden älteren Schwestern kennen, die mir die Gegend zeigten und den Rest der Familie (unter anderem Chavys Schwester und deren Kinder) vorstellten.

Plaza in Santa Cruz

Sprachkurs

Wenige Tage später, nachdem Chavy mit Viktoria (einer Mitfreiwilligen, die nur 3 calles weiter wohnte) und mir den Weg schon einmal gefahren und viele weitere Male mündlich durch gegangen war, begann der Sprachkurs. Mit dem Micro (Micros sind Autobusse, mit denen man innerhalb der Stadt so gut wie überall ziemlich problemlos hinkommt) fuhren wir beide also zum instituto fisk, der Sprachschule, in der die anderen fünf Freiwilligen schon auf uns warteten. Mit Maria Lina, unserer sehr führsorglichen Sprachlehrerin, tauchten wir dann in die spanische Sprache ein. Ich persönlich konnte zu Beginn kaum ein Wort sprechen, weshalb der Unterricht, der mehr auf die schon besser sprechenden Personen konzentriert war, mir leider nicht wirklich weiter helfen konnte… Vielmehr komme ich der Sprache durch das alltägliche Sprechen näher, vor allem durch Französisch, kann ich mir viele Dinge erschließen. Die Grammatik hingegen werde ich mir wohl trotzdem weiterhin selber vorknüpfen müssen, denn unregelmäßige Formen und komplizierte Endungen, habe ich mir dann bisher doch noch nicht durch einfaches Zuhören merken können. Nichtsdestotrotz hat der Sprachkurs auch viele positive Seiten gehabt. Bei einem der verschiedenen Ausflüge haben wir zum Beispiel Cotoca kennen gelernt. Eine kleine Stadt, die durch die Virgen de cotoca (Schutzheilige vom Departement Santa Cruz) bekannt ist und in der es zahlreiche Stände mit süßen Aufstrichen und Gebäck gibt. Auch der Kinobesuch in „El rey leon“ wird uns wohl noch lange in Erinnerung bleiben!

 

Projektbesuch

Da ich den Vorteil hatte schon in der Stadt zu sein, in der auch das Projekt ist, gab es die Möglichkeit, das Projekt schon einmal während des Sprachkurses zu besuchen. Als ich morgens von Raúl abgeholt wurde, um zum Colegio zu fahren, stellte ich mir ein gemütliches Treffen, im Kreise meiner beiden Chefinnen vor… Dieses Bild änderte sich aber schnell, als ich schon beim Vorbeigehen an der Schule sah, dass die schätzungsweise 1000 Schüler*innen in Reih und Glied in der Aula aufgestellt waren. Direkt beim Reinkommen wurde ich, gemeinsam mit Isabel und Cecilia (auch von der Hermandad) zu einer kleinen Bühne gebracht und an einen geschmückten Tisch, über dem Plakate der Hermandad, Weltkarten und die bolivianische und deutsche Flagge angebracht waren, gesetzt. Musik ging los und die ganze Halle begann die bolivianische Nationalhymne zu singen. Danach wurde erklärt, was die Hermandad macht und wofür sie steht und dass dieses Jahr eine deutsche Freiwillige am Schulleben teilhaben wird. Diese deutsche Freiwillige sollte dann doch bitte mal nach vorne kommen und als hätte es noch nicht genügend Überraschungen gegeben, fand ich mich mit Microphon in der Hand wieder und stellte mich der ganzen Schule mit meinem bröckligen Spanisch vor. Der tobende Applaus nach meinem Redchen freute mich sehr! Nachdem die „offizielle Begrüßung“ vorbei war und mir einige Schüler*innen kleine Willkommensgeschenke gegeben hatten, ging es ins Lehrerzimmer, in dem dann auch meine zukünftige Gastfamilie auf mich wartete. Während eines leckeren Frühstücks wurden bestimmte Fragen zu meinen Aufgabenbereichen im Projekt geklärt. Im Anschluss konnten wir uns noch das Haus der Familie angucken, in das ich eine Woche später einziehen würde. Der ganze Vormittag hat mir ein bisschen gezeigt, was noch alles auf mich zukommen wird, mir bestimmte Ängste nehmen können und meine Vorfreude steigen lassen, ich bin sehr froh die Möglichkeit gehabt zu haben.

Ausflüge, neue Bekanntschaften und das Leben in der Villa de Mayo °1

Da Chavy Grundschullehrerin ist und daher mittags arbeitet und auch John nachmittags in der Schule ist, konnte ich die Zeit nutzen, um nach der Sprachschule die Stadt ein bisschen zu erkunden. Die Villa de Mayo, die Gegend in der Viktorias und meine Gastfamilie leben, besteht (so wie die meisten Bezirke hier) aus einer Plaza, die den Mittelpunkt darstellt und auf die die unterschiedlichen Straßen ausgerichtet sind. Vor allem abends tummeln sich dort viele Leute, um zu essen, aber auch um zu tanzen, sich lustige Fahrgeräte aus zu leihen oder einfach um zu entspannen. Von der Villa aus kommt man mit dem Micro ganz einfach in das Zentrum von Santa Cruz, so dass wir häufiger die halbe Stunde Fahrt auf uns nahmen, um uns dort verschiedene Dinge anzuschauen. Die „Plaza de 24 Septiembre“ stellt so ziemlich den Mittelpunkt der ganzen Stadt dar und ist der Vorplatz der Kathedrale. Auch hier gibt es verschiedene Stände mit Snacks und Getränken und gegen Abend füllt sich die Plaza immer mehr mit Musikern und Künstlern und bietet eine angenehme Atmosphäre.

Etwas größere Ausflüge gingen zum Beispiel, gemeinsam mit meiner Chefin Frida, ein paar anderen Leuten der Hermandad und meiner Mitfreiwilligen Jana nach El Torno (einer Stadt, ca 1h von SC entfernt), wo wir Freunde getroffen, den Fluss einmal durchquert und eine Menge Fisch gegessen haben.

Nachdem der erste Monat nun um ist, bin ich hin und her gerissen. Einerseits fühlen sich die letzten fünf Wochen an als hätte ich 3 Monate „erlebt“, andererseits ist es aber auch erst nur ein Monat von 13 und ich bin unglaublich gespannt, was noch alles kommt. An einige Sachen habe ich mich gewöhnen müssen, in andere verlieben dürfen. Dieses Wochenende bin ich meine neue Gastfamilie gezogen und am Montag geht endlich das Projekt los!

Voller Freude und Spannungen schaue ich in die Zukunft und halte euch natürlich weiterhin auf dem Laufenden…

Muchos saludos, Lara!

Ruanda: 5. Rundbrief von Felix Flämig

Eine lange und schöne Zeit in meinem Leben ist nun vorbei. Seit etwa zwei Monaten bin ich zurück in Deutschland, zurück zu Hause und doch bekam „zu Hause“ eine andere Bedeutung für mich: Ich habe eine zweite Heimat in Ruanda und wünschte mir des Öfteren mich teilen zu können, um an beiden Orten gleichzeitig sein zu können…

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Burkina Faso: 3. Rundbrief von Judith Steinmetz

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Interessierte,

so farbenfroh wie dieser Stapel Stoffe gestalteten sich auch meine letzten fünf Monate. Es war eine bunte Mischung aus Arbeit und Freizeit, Stadt und Dorf, Ankunft und Abschied, Schuljahr und Ferienbeginn, Wohlvertrautem und Neuentdecktem. Na dann mal los…

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Indien: 3. Rundbrief von Klara Lenz

Wo ist die Zeit bloß hin?

Diese Frage stelle ich mir aktuell tagtäglich. Mittlerweile zähle ich nicht mehr die Monate, die ich schon hier bin, sondern eher die Wochen, die mir noch bleiben. Bei der Abreise (und auch zwischendurch in harten Momenten) kam mir ein Jahr so lang vor, aber die Zeit verfliegt. In den letzten 3 Monaten ist mal wieder einiges passiert und somit ist es wieder an der Zeit, dass ich euch teilhaben lasse. Indien: 3. Rundbrief von Klara Lenz weiterlesen