Archiv der Kategorie: Jordanien

Jordanien: 2.Rundbrief von Charlotte Kaspar

die Ruinen der römischen Provinzstadt Jerash

Liebe Leser,

nun ist schon fast die zweite Hälfte meines Freiwilligendienstes in Jordanien angebrochen. Seit meinem letzten Bericht hat sich einiges an meiner Arbeit verändert; ich habe Weihnachten und Silvester hier gefeiert; mehr vom Land Jordanien gesehen; mehr Facetten der Kultur kennengelernt; und und und…. Jordanien: 2.Rundbrief von Charlotte Kaspar weiterlesen

Jordanien: 1. Rundbrief von Charlotte Kaspar

Welcome to Jordan! – !مرحبا بكم في الأردن

 

Liebe Freunde, Verwandte, Unterstützer und Rundbriefleser,

ich bin jetzt schon seit über zwei Monaten hier in Jordanien, auch wenn es mir vorkommt, als wäre ich erst letzte Woche angekommen. Zeit, euch einmal von meinen ersten Erfahrungen zu berichten. Ich habe mich schon gut eingelebt und meinen Platz im Projekt gefunden. Doch von Anfang an…

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Jordanien: 4. Rundbrief von Hannah Wiegand

Über die Schwierigkeit einer ersten Projektfreiwilligen
(oder ganz normale Schwierigkeiten der ersten Hälfte?)

„Hannah, es wäre gut, wenn du heute Mittag mal zwei Stunden vorbeikommen könntest, wir könnten Hilfe gebrauchen?“

Alhamdu’allah! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie glücklich ich war, diesen Satz nach fast einem halben Jahr von einer der Schwestern zu hören! Aber vielleicht mal von vorne… Jordanien: 4. Rundbrief von Hannah Wiegand weiterlesen

Jordanien: 3. Rundbrief von Hannah Wiegand

Ahlen, halla halla. Keefkum? Shu achbarkum? Insha’allah kolshi tamaam!

اهلين, هلا هلا. كيفكم؟ شو اخبركم؟ ان شا الله كلشي تمام

Willkommen. Wie geht es euch? Was gibt es Neues? Hoffentlich (wörtl. „wenn Gott möchte“) alles gut!

Vor ein paar Tagen war Halbzeit und es fühlt sich irgendwie so unreal an. Wo ist die Zeit? Ich hab schon etwas länger das Gefühl, ich muss jeden Tag NOCH ausgiebiger genießen, da es mit Sicherheit so schnell vorbeigehen wird… Es fühlt sich nicht so an, als wäre es schon ein halbes Jahr ist, sondern erst, als läge nicht noch ein Jahr vor mir, sondern nur noch. Jordanien: 3. Rundbrief von Hannah Wiegand weiterlesen

Jordanien: 2. Rundbrief von Hannah Wiegand

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Länderdreieck“: Israel (links), Syrien (rechts), Jordanien; links: See Genezareth

 

 

 

Ahlan wa sahlan
 أهلا وسهلا
Willkommen ihr Lieben,

so langsam nimmt alles seinen Lauf und ich kann euch einiges Neues berichten: Die Aufgaben im Projekt werden immer konkreter, mein Arabisch verbessert sich und ich finde meinen Platz. Es ist lange nicht mehr alles so aufregend und neu für mich, wie in der ersten Zeit. Es gibt Dinge, die ich mir schon gar nicht mehr wegdenken kann und wiederum Dinge, die zu akzeptieren mir immer noch schwer fällt.

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Jordanien: 1. Rundbrief von Hannah Wiegand

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Mount Nebo

Marhaba ihr Lieben!

Ein herzliches Marhaba an alle, die mich während meiner Zeit in Jordanien begleiten – ganz egal auf welchem Wege 🙂

Vielleicht eine kurze Vorstellung meinerseits an diejenigen, die mich nicht kennen: ich bin Hannah, 18, aus Saarbrücken und werde meinen Sozialen Friedensdienst im Ausland über SoFia in Jordanien leisten. Mein Projekt befindet sich im Norden des Landes, einer Kleinstadt namens „Anjara“.  Ich möchte an dieser Stelle garnicht allzu viel erzählen – falls das Interesse besteht, mehr zu erfahren: HIER KLICKEN Jordanien: 1. Rundbrief von Hannah Wiegand weiterlesen

1.Rundbief Jordanien

Liebe Familie, Verwandte, Freunde, Bekannte

 

Mein Name ist Benedikt Schmitt, ich bin 20 Jahre alt. Vor einem Jahr habe ich mich entschieden für ein Jahr einen Freiwilligendienst im Ausland über SoFiA (Soziale Friedensdienste im Ausland) anzutreten. Und nun bin ich schon über 2 Monate in Jordanien. In dieser Zeit habe ich vieles Erlebt und möchte nun einige dieser Erlebnisse mit euch teilen.

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II. Rundbrief von Fabian Wolter – Durch die Wüste

Liebe Familie, Verwandte, Freunde, Bekannte, lieber Solidaritätskreis!

Kaum zu glauben: Jetzt sitze ich schon an meinem zweiten Rundbrief! Dieses Mal habe ich etwas länger gebraucht, um meine Erlebnisse, Gedanken und Abenteuer zu Papier zu bringen. 

II. Rundbrief – Durch die Wüste

Dezemberbeginn: II. Rundbrief von Fabian Wolter – Durch die Wüste weiterlesen

Jordanien: I. Rundbrief von Fabian Wolter

Liebe Familie, Verwandte, Freunde, Bekannte, lieber Solidaritätskreis

Für einen genaueren Überblick und die, die es noch nicht wissen:

Mein Name ist Fabian Wolter und ich bin 19 Jahre alt. Im Sommer letzten Jahres hatte ich mich bei der Organisation „SoFiA e.V.“ (Soziale Friedensdienste im Ausland) beworben und wurde schließlich für ein Auslandsjahr ausgewählt. (Weitere Infos über meine Trägerorganisation „SoFiA e.V.“ unter: www.sofia-trier.de)

Warum habe ich mich beworben?

Ein freiwilliges soziales Jahr im Ausland bietet mir die einmalige Möglichkeit, in eine fremde Kultur einzutauchen, eine andere Sprache zu lernen, Menschen bei ihrer Arbeit in einem sozialen Projekt zu unterstützen, aber auch einfach mal raus aus dem Alltag in Deutschland zu kommen und viele neue Erfahrungen zu sammeln. Des Weiteren könnte es mir bei der Berufsorientierung helfen, denn ich habe noch keine wirkliche Vorstellung von meinem weiteren Werdegang. Es wird bestimmt eine Herausforderung werden, aber Herausforderungen sind ja da, um gemeistert zu werden.

Über meine Projektstelle wusste ich bis zur Abreise nicht viel. Es ist ein ganz neues Projekt und ich bin der erste Freiwillige, der in dieses Projekt geschickt wird. So liegt eine große Verantwortung auch bei mir, denn nachfolgend sollen weitere Freiwillige in dieses Projekt entsendet werden.

Projektbeschreibung

Die maronitische Gemeinde liegt am Stadtrand der jordanischen Hauptstadt Amman und betreibt zahlreiche Projekte. Dazu zählen z.B. ein Jugendgästehaus, die Betreuung von Studentengruppen, verschiedene Maßnahmen zur Jugendbildung und Freizeitgestaltung und insbesondere Projekte zu den Themen Umweltschutz und alternative erneuerbare Energien.

Die Gemeinde versteht sich als Ort der ökumenischen Begegnung und tritt für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern sowie für soziale und ökologische Gerechtigkeit ein. Hintergrund und Ausgangspunkt für den Bereich Umweltschutz und Schonung von Ressourcen sind die extreme Wasserknappheit im Land sowie die Vermüllung der Landschaft. Meine Aufgaben vor Ort werden sich auf die Jugendbildung mit besonderer Berücksichtigung von Fragen des Umweltschutzes konzentrieren, aber auch die konkrete Mitarbeit in den Bereichen Umweltschutz und Bewahrung der Schöpfung umfassen.

Nach einer sehr langen und intensiven Vorbereitung ging es am 7. August 2013 los. Für 13 Monate sollte Amman, die Hauptstadt Jordaniens, mein neues Zuhause werden.

 

I. Rundbrief

Abflug und Ankommen

Es ist erstaunlich, wie schnell die Zeit bis jetzt vergangen ist. Zwei Monate sind nun seit meiner Landung in Amman vergangen. Es ist einiges passiert und ich habe viel erlebt. Auf diese doch ereignisreichen Wochen, will ich nun zurückblicken und Euch von meinen Erlebnissen, Begebenheiten und Abenteuern erzählen.

Ich weiß noch, wie aufgeregt ich einen Tag vor meiner Abreise gewesen war. Den ganzen Tag über beschäftigte ich mich mit dem Thema Kofferpacken. Natürlich hatte ich mir vorher schon Gedanken über die Sachen gemacht, die ich mitnehmen wollte.  Sorgfältig achtete ich auf das Gewicht der Kleidung und anderer Gegenstände, die ich mit auf die Reise nehmen wollte. Letztendlich musste ich doch einen zusätzlichen, gebührenpflichtigen Koffer packen, um dem drohenden Übergewicht entgehen und alles Notwendige unterbringen zu können. Am Abend besuchten mich noch ein paar meiner besten Freunde, um sich von mir zu verabschieden und mit mir ein letztes Bitburger Bier –  für ein ganzes Jahr – zu genießen.

Nun war der Dienstag, der 6.08.13, gekommen, der Tag meiner Abreise. Auf der einen Seite war ich sehr froh, dass es endlich losging. Auf der anderen Seite begleitete mich auch ein Hauch von Wehmut. Ich verließ meine Heimat, mein Zuhause, meine Familie und Freunde , um in eine neue, für mich bis dahin unbekannte Welt aufzubrechen.

Meine Eltern und meine Schwester begleiteten mich bis zum Flughafen in Frankfurt. Dort  hieß es, ein weiteres Mal Abschied zu nehmen. Nun war ich auf mich allein gestellt. Tschüss Deutschland, Jordanien ich komme!“ lautete mein Motto. Nach dem Zwischenstopp samt Umsteigen in Bukarest, kam ich mitten in der Nacht und etwas ermüdet in Amman an. Ich hatte einen genauen Plan im Kopf: Geld wechseln, Visa besorgen, Gepäck aufsammeln, mit dem Taxi, welches mein Projektleiter für mich reservierte, zur Einsatzstelle fahren und möglichst schnell mein neues Bett ausprobieren. Ich musste zwar ein bisschen auf den Taxifahrer warten, aber nach 20 Minuten sah ich plötzlich einen Mann mit einem Schild mit der Aufschrift „Fabian Wolter“ winken. Da fiel mir ein Stein vom Herzen!

Nach einer guten halben Stunde Taxifahrt kam ich endlich in meinem neuen Zuhause an, der St. Charbel Kirche. Das Pfarrhaus befindet sich direkt neben der Kirche. Mahir, Hausmeister und Wächter, öffnete das Tor und empfing mich.

Er zeigte mir mein Zimmer, das mit einem eigenen Bad ausgestattet ist und einen sehr guten Eindruck auf mich macht, und half mir, das Gepäck dorthin zu bringen. Auf dem Weg begegnete ich einem verschlafenen Mann namens Abouna (dt. „unser Vater“) George. Es folgten eine kurze Begrüßung und gegenseitige Vorstellung. Zur Beruhigung meiner Mutter schickte ich noch an demselben Morgen (um vier Uhr nachts) eine kurze sms nach Deutschland. Müde und energielos fiel ich danach in mein Bett. Ein langer, sehr aufregender Tag war zu Ende gegangen. Ich war sehr froh, dass alles gut geklappt hatte und meine Anreise problemlos verlaufen war.

Am nächsten Morgen begrüßten mich dann Abouna George und auch der Chef meiner Projektstelle, Abouna Jihad. Beide sind Pfarrer hier in der Gemeinde.

Ich übergab meine Gastgeschenke, worüber sich beide sehr freuten. Abouna Jihad stellte mir beim anschließenden Mittagessen die Projektstelle vor und wir hatten viel Zeit, über künftige Aufgaben zu reden. Der Syrer Abouna Jihad Nassif spricht sehr gut Deutsch, was für mich natürlich sehr von Vorteil ist. Wir sprachen über Aufgaben in den Bereichen Haushalt, Garten, Kirche, Büro und Gruppenbetreuung. Bis jetzt beschränken sich meine Aufgaben aber hauptsächlich auf Hausmeistertätigkeiten. Da das Projekt wie gesagt sehr neu ist, müssen Arbeitsgemeinschaften und Freizeitgruppen erst noch gegründet werden.

Nach unserem Gespräch folgte ein gemeinsamer Rundgang durch das Projekt. Erstaunt war ich über die Größe der Anlage. Die Kirche steht direkt in Verbindung mit dem Pfarrhaus und dem Gästehaus. Das Gästehaus hat 40 Betten und bietet auch für große Gruppen ausreichend Platz. Ein größerer Garten ist auch vorhanden, in dem sich jede Woche Christen treffen, um gemeinsam zu grillen, zu feiern und zu spielen. Abouna Jihad riet mir, mich die ersten Tage über einzuleben und dann zu schauen, wo ich helfen könnte.

Schon am nächsten Tag aber half ich aus eigenem Interesse dem Hausmeister Mahir, was einen guten Eindruck bei ihm hinterließ. Das Gästehaus musste in Schuss gebracht werden, denn noch am gleichen Nachmittag sollte eine Chorgruppe anreisen. Das hieß für uns, Schlafräume, Empfangsbereich und das Esszimmer zu säubern, Staub zu wischen, zu fegen und zu putzen. Nebenbei bemerkte ich, wie belebt unsere Projektstelle tagsüber ist: Draußen im Garten versammelten sich Leute und im Hof konnte ich Kinder spielen hören.

Die Chorgruppe lud mich zu einem Meeting mit einem Bischof ein, der allgemein über Gott und insbesondere über die Relation zwischen Gott und den Menschen sprach. Ein netter junger Mann namens Nader, der sogar ein bisschen Deutsch sprach, versuchte mir, die arabischen Worte des Bischofs ins Deutsche zu übersetzen. Mit ihm freundete ich mich an. Anschließend wurde ich auch zum gemeinsamen Mittagessen eingeladen. Ich war froh, bereits ein paar Kontakte knüpfen zu können. Am Abend wurden wir von der Schwester von Abouna Jihad zum Essen eingeladen. Ich fuhr mit Abouna George dorthin. In einem klapprigen Auto wurden wir ein Stück mitgenommen und den Rest fuhren wir mit einem Taxi. Der Verkehr wirkte auf mich sehr chaotisch, die Stadt wurde beschallt durch das andauernde Hupen der Autos. Obwohl Anschnallpflicht besteht, schnallte sich keiner im Wagen an. Oft ist auch gar kein Anschnallen möglich, da auf vielen Rückbänken keine Gurte vorhanden sind. Diese Erfahrung machte ich in vielen Taxen. Angekommen bei der Schwester von Abouna Jihad gab es syrisches Essen, welches ich sehr lecker fand. Ich schlug mir direkt den Bauch voll und lernte auch den 12-jährigen Fadi kennen, der öfters mit seiner Mutter vorbeikommt, die für die Gemeinde tätig ist. Mit Fadi spiele ich meistens Fußball auf dem Hof. Als Deutscher muss man ja gut Fußball spielen können. So denken jedenfalls viele Jordanier.

Kirche

Die Kirche steht am Rande von Amman, deshalb ist es dort sehr ruhig. Somit ist es ein idealer Erholungsort für Einzelgäste und für ganze Gruppen. Die Messe findet jeden Tag um 18 Uhr statt, wenn genügend Leute kommen. Die meisten Gemeindemitglieder kommen aber wie in Deutschland auch am Sonntag zusammen. Ich habe mich jetzt schon daran gewöhnt, regelmäßig in die Messe zu gehen. Zwar nicht an jedem Tag, aber sonntags und an besonderen Tagen. Viel verstehe ich leider noch nicht, da die Messe in Arabisch gehalten wird.

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Maronite Patriarchal Exarchate Saint Charbel’s Parish

Franciscan march

Abouna Jihad meldete mich für den franciscan march vom 12-17.08. an. Er meinte, es sei ein guter Einstieg für mich, um Kontakte zu knüpfen und ein bisschen mehr von Jordanien kennenzulernen. So war es denn auch. Ich war gerade mal vier Tage in meinem Projekt und schon ging es wieder los. Noch am Sonntag, einen Tag vor der Wanderung, lernte ich ein paar Jugendliche kennen, von denen ein Teil die Wanderung mitmachen wollte.

Am Abend fand dann noch eine Messe statt. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich Messdiener war! Ich bekam eine kurze Anleitung und war ehrlich gesagt ein bisschen nervös. Es war neu und ungewohnt für mich. Trotzdem hat alles gut geklappt. Abouna Jihad stellte mich am Ende der Messe der Gemeinde vor. Danach saßen wir eine Zeit lang im Garten und ich lernte weitere nette Leute kennen. Ich rauchte meine erste Shisha in Jordanien, spielte Fußball und ließ den Abend gemütlich ausklingen. Schließlich packte ich noch meinen Rucksack für die Wanderung am nächsten Tag.

Am nächsten Morgen wurde ich von Issa abgeholt und wir fuhren zum Startpunkt des Franziskaner Marsches. Ziel der Wanderung war der Mount Nebo, der Berg, von dem aus Moses das Gelobte Land sehen durfte, jedoch starb, bevor er es betreten konnte. Wir liefen mit ca. 80 Leuten auf den Straßen des Heiligen Landes…auf der Suche nach der Quelle des Lebens. Wir sollten den wahren Wert des Lebens entdecken und dabei Gott näher sein. Und dies inmitten des Trubels von heute mit seinen falschen Konzepten und besonders hier im Heiligen Land mit seinen politischen und religiösen Schwierigkeiten und Unsicherheiten.

Der Franziskaner Marsch ist eine spirituelle Reise, zu der besonders junge Menschen eingeladen sind. Sie sollen den Marsch als eine seltene und dadurch umso wertvollere Erfahrung in ihrem Leben kennenlernen. Denn normalerweise sind wir ja oftmals durch unsere Alltagssorgen bzw. Spannungen daran gehindert, an Jesus Christus zu denken. So wurde mir der Sinn unserer Wanderung erklärt.

Unterwegs habe ich viele nette Leute kennengelernt und ich konnte bereits Freundschaften schließen. Das war für mich wichtiger und mehr der Sinn an diesen Tagen. Insgesamt waren sie sehr anstrengend. Wir standen mitten in der Nacht auf und begannen schon sehr früh zu wandern. Wenig Schlaf, Schlafen nur mit Schlafsack und Isomatte und dann diese Hitze waren nicht einfach! Täglich fand eine Messe statt und jeden Tag wurde gebetet. Das war ebenso anstrengend, zumal ich nichts verstehen konnte. Manchmal wurde mir von jemandem ins Englische übersetzt. Interessant fand ich es zu sehen, dass viele Jugendliche hier sehr gläubig sind, was ich in dieser Intensität von deutschen Jugendlichen nicht kenne. Am Abend gab es dann ein buntes Programm. Wir machten Spiele, sangen und tanzten und es wurden Sketche aufgeführt, die vorher in Gruppen ausgedacht und einstudiert worden waren.

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Trotz mancher Strapazen waren die Tage sehr aufregend, sehr spannend und für mich persönlich sehr wertvoll. Ich habe vieles gesehen und neue Freunde gewonnen, mit denen ich weiterhin in Kontakt stehe. Als ich am Samstag Nachmittag wieder in meinem Zuhause angekommen war, erfuhr ich, dass Abouna Jihad für zwei Wochen nach Syrien und in den Libanon zum Besuch von Verwandten und Freunden verreist war.

Arbeit

In den nächsten Tagen half ich dem Hausmeister dabei die Blumen zu gießen, Duschvorhänge aufzuhängen, Betten zu beziehen und die Kirche zu entstauben bzw. zu fegen. Ich kümmerte mich auch um das Gästehaus und machte Zimmer und Empfangsbereich wieder begehbar. Fast jede Woche reservieren Leute Tische und Stühle bei uns im Garten. Ich helfe diese aufzustellen und, nachdem die Leute wieder gegangen sind, alles wegzuräumen. Leider hinterlassen diese vielen Menschen immer wieder Müll. Dieser wird aufgesammelt und entsorgt. Apropos Müll: Jordanien hat nicht nur ein Wasser-, sondern auch ein Müllproblem. Fast überall sehe ich Müll liegen, besonders auf Feldern und an Straßenrändern. Direkt hinter unserer Kirche befindet sich der Amman National Park, ein größeres Waldgebiet, indem ich erschreckender Weise auch wieder viel Müll entdeckte.

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Müll im Wald hinter der Kirche

Ich half beim Trauben und Oliven ernten und bei weiteren Tätigkeiten.

Einmal saß ich bei uns im Garten und musste auf Bauleute aufpassen, die eine Wand von unserem Kiosk einreissen sollten. An diesem Kiosk können sich Gäste unserer Einrichtung etwas Kleines zu essen kaufen oder Kaffe, Tee oder eine Shisha bestellen. Ja, ich sollte verhindern, dass sich die Bauarbeiter irgendetwas aus dem Kühlschrank oder der Süßigkeitenablage nahmen. Dabei habe ich mich ein wenig unwohl gefühlt. Ich hätte viel lieber selbst den Hammer geschwungen, anstatt nur dazusitzen und den Männern zuzuschauen.

Demnächst wird sich mein Aufgabenfeld aber erweitern, das hatte Abouna Jihad zumindest schon mal angekündigt. Ich bin mal gespannt!

 

Sprachkurs

Bei mir war das ein bisschen anders. Normalerweise macht man im ersten Monat des Auslandjahrs einen Sprachkurs. Ich aber war zuerst in meinem Projekt gewesen und habe erst nach einem Monat den Sprachkurs begonnen. In Deutschland hatte ich mich bereits nach einem Sprachkurs in Amman umgeschaut, jedoch nichts Geeignetes gefunden.

Abouna Jihad berichtete mir von einem Studenten namens Fabian aus Deutschland, der einen Sprachkurs in Amman machen wollte und für die Zeit hier im Gästehaus ein Zimmer bekommen würde. Das fand ich großartig und eine gute Gelegenheit, um endlich einen Sprachkurs zu machen. Ich kontaktierte Fabian und er gab mir genauere Informationen zu dem Kurs. Vom Landesspracheninstitut an der Ruhr-Universität Bochum wurde „Arabisch Intensiv“ angeboten.  Obwohl schon Anmeldeschluss gewesen war, konnte ich mich eine Woche vor Kursbeginn noch anmelden. Voraussetzung war gewesen, dass man das arabische Alphabet vorher erlernt hatte, um auf dieser Basis Grundkenntnisse der arabischen Sprache erwerben zu können. Zum Glück hatte mir bereits in Deutschland eine sehr nette Frau aus Marokko ein bisschen Arabisch beigebracht, mitunter die Schrift.

Fabian kam am 14.09. hier in Amman an. Am nächsten Tag begann schon der Sprachkurs. Da wir keine Ahnung hatten, wie wir zur Uni kommen sollten, bestellten wir für den ersten Tag ein Taxi. Unser Problem war, dass es hier  und in der Nähe der Kirche keine Bushaltestelle gibt. So lief es darauf hinaus, dass wir jeden Tag mit dem Taxi zur Uni fahren mussten. Zurück konnten wir einen Teil mit dem Taxi und anschließend mit dem Bus fahren. Die Taxifahrten waren meist sehr lustig. So gab uns ein Taxifahrer spontan die Handynummer von seinem Neffen, mit dem wir Deutsch sprechen sollten, weil dieser ein Jahr in Deutschland studiert hatte. Mit dem Neffen freundeten wir uns sogar an und machten einen gemeinsamen Ausflug an das Tote Meer, was ein tolles Erlebnis gewesen war.

Zu zehnt absolvierten wir vom 5. September bis zum 3. Oktober erfolgreich den Grundstufenkurs „Arabisch in Amman“, der in Zusammenarbeit mit der German-Jordanian-University in Amman durchgeführt wurde. Der Kurs dauerte drei Wochen und umfasste 85 Unterrichtsstunden. Behandelt wurden die Basisstrukturen des Standardarabischen anhand unterschiedlicher kommunikativer Situationen. Diese Situationen wurden in Form von Dialogen und anderen Texten vorgestellt und durch Rollenspiele und weitere kommunikative Übungen trainiert. Die Grammatik der arabischen Sprache wurde auch im Kurs behandelt.

Durch den Kurs habe ich jetzt eine genauere Vorstellung von der arabischen Sprache und habe gewisse Grundkenntnisse und eine Basis, auf der ich aufbauen kann. Jetzt weiß ich auch, warum Arabisch die zweitschwerste Sprache der Welt ist. Was mir noch sehr schwer fällt, ist das Lernen der Vokabeln. Von denen gibt es soooooo viele. Ein weiteres Problem sind die vielen Dialekte. In unserem Pfarrhaus wohnen zum Beispiel ein Syrer, ein Ägypter und ein Libanese und jeder spricht seinen eigenen Dialekt.

Die drei Wochen waren sehr anstrengend und ermüdend. Trotzdem hatte ich auch Zeit, gemeinsam mit Fabian Amman zu erkunden.

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Römisches Theater
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Zitadellenhügel

 

Freizeit

Ich habe in den vergangenen Tagen ebenso öfters mal zu dem Kindle gegriffen, den ich vor meiner Abreise von meinen Eltern geschenkt bekommen hatte. Ich habe praktisch das Lesen für mich neu entdeckt. Jetzt lese ich jeden Abend vor dem Einschlafen.

Doch so langsam fehlt mir der Sport. Deswegen habe ich mich im Internet nach Sportmöglichkeiten umgeschaut. Was ich sehr vermisse, ist mein Sport, das Turnen. Turnen gibt es hier, aber nur für kleine Kinder. Mixed Martial Arts gibt es hier auch, aber das Trainingscenter liegt nicht in der Nähe der Projektstelle. Dann gibt es noch sehr viele Gyms und andere Sportarten. Jetzt nach dem Sprachkurs habe ich wieder Zeit und Energie, nach einem Sport zu suchen. In den nächsten Tagen werde ich hoffentlich etwas Passendes finden. Mit Fouad, einem neunundzwanzigjährigen Syrer, der auch für ein Jahr hier bei der Kirche wohnen wird, werde ich demnächst erstmals in ein Gym gehen. Fouad war über „SoFiA e.V.“ als sogennanter „Reversefreiwilliger“ für ein Jahr in Trier gewesen.

Sonst treffe ich mich ab und zu mit Freunden, spiele Fußball auf dem Hof, daddele oder relaxe. Manchmal gehen wir in ein neueres Einkaufszentrum namens „Taj“. Wenn man in ihm umherläuft, könnte man meinen, man sei in Deutschland. Dort gibt es wirklich alles. Alle vorstellbaren Marken, ein Kino, eine Essensmeile und und und. Dort rauchen wir Shisha, essen Eis oder spaßen herum. Mein Spitzname hier ist Schuhmacher 🙂

Fast jede Woche kommen abends Freunde, Bekannte, die Familien von Abouna Jihad  und Abouna George. Hier ist fast immer was los. Meistens setzte ich mich dazu und versuche den Gesprächen zu folgen, was aber noch sehr schwierig für mich ist.

Was ich ein bisschen komisch fand, war meinen Geburtstag hier zu feiern mit Freunden, die ich erst seit kurzem kenne. Wir hatten viel Spaß, aber dennoch musste ich an Zuhause, Familie und Freunde denken. Es war ein schwerer und doch schöner Tag.

 

Personen die hier wohnen:

Abouna Jihad: Chef, Pfarrer

Abouna George: Pfarrer

Mahir: Hausmeister/Wächter. Mann für alles.

Fouad: Mitarbeiter

Georgette: Mittlerweile haben wir auch eine Köchin und Hausgehilfin. Sie ist eine Bekannte von Abouna Jihad. Jetzt gibt es immer gutes Essen und wir lassen uns verwöhnen.

Ich: Freiwilliger

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Alles im allem fühle ich mich hier richtig wohl und genieße meine Zeit. Alle hier sind sehr zuvorkommend, hilfsbereit, herzlich und freundlich .

Natürlich gibt es auch mal Stimmungstiefs, aber das war mir von Anfang an klar.

Ich hoffe, ihr konntet einen ersten Einblick in mein jetziges Leben bekommen. Es gibt noch Dinge, die ich noch nicht angesprochen habe, die werdet Ihr in meinen nächsten Rundbriefen lesen können.

 

Humor und Geduld sind zwei Kamele,
mit denen du durch jede Wüste kommst. (arabisches Sprichwort/Weisheit)

 

Schönste Grüße aus dem heißen Jordanien

Euer Fabian   

 

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Totes Meer

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