Archiv der Kategorie: Rundbriefe

Brasilien: 1. Rundbrief von Florian Bömer

Liebe Leserinnen und Leser meines ersten Rundbriefs,

jetzt bin ich schon seit drei Monaten in Brasilien und einige von euch haben noch nicht sehr viel von mir gehört. Täglich lerne ich hier neue Menschen kennen, bekomme einen Eindruck in die brasilianische Kultur und habe etliche neue und spannende Erfahrungen gesammelt. Einige Erlebnisse und einen Einblick in meinen Alltag möchte ich in diesem Rundbrief mit euch teilen.

Sonnenuntergang beim Flussdelta in Parnaiba

 

 

 

 

 

 

 

Anreise, Ankunft und erste Eindrücke
Nach der Verabschiedung meiner Familie am Flughafen am 5.08.2018 in Frankfurt begann meine große Reise nach Brasilien, wo ich ein ganzes Jahr verbringen werde. Nach neun Stunden Flug betrat ich zum ersten Mal südamerikanischen Boden in der Millionenstadt Fortaleza. Mein Ziel der Reise, die Stadt Parnaiba, im Nordosten Brasiliens, erreichte ich am nächsten Morgen nach einer ganzen Nacht Busfahrt und mehr als 30 Stunden Anreise. Am Busbahnhof wurde ich von meiner Gastmutter, dem Verantwortlichem für die Freiwilligen, Padre Henrique und der Vorfreiwilligen aus Deutschland Angela Pinger empfangen.

Die Stadt Parnaiba, in der ich hier lebe, ist mit ca. 150 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Bundesstaates Piaui. Die Stadt gehört zu der Region des Nordosten Brasiliens und liegt an der Küste. Im Vergleich zu anderen Teilen Brasiliens ist der Nordosten wirtschaftlich schwächer und die Arbeitslosenquote ist relativ hoch. Touristisch ist die Küstenstadt Parnaiba wenig erschlossen, obwohl es zahlreiche riesige und schöne Sandstrände gibt. Das Flussdelta des Rio Parnaiba ist einzigartig und die Region hat viel zu bieten. Die Durchschnittstemperatur tagsüber beträgt hier 33 Grad Celsius, und erreicht mittags an die 40 Grad. Die Temperatur ist aufgrund der Äquatornähe das ganze Jahr weitestgehend konstant und ist für mich täglich eine Herausforderung. Etwas Linderung verschafft der stetig wehende Wind, der vom Meer kommt. Der Tagesrhythmus und die Lebensweise der Menschen sind stark an das Klima angepasst. So ist es zum Beispiel üblich die Mittagszeit mit einem Schlaf in der Hängematte zu verbringen.

Das Stadtbild unterscheidet sich sehr stark von allen Städten, die ich in meinem Leben kennengelernt habe. Auf den Straßen in Parnaiba fahren vor allem mehr Motorräder als Autos und zahlreiche Fahrräder, was dazu führt, dass der Verkehr viel lebendiger ist. Dazu gibt es ein paar Eselkarren, in den Vororten auch Pferde sowie zahlreiche Hunde und Katzen auf der Straße.

Pferdeprozession auf den Straßen der Stadt

Auch haben die meisten Straßen keine Bürgersteige und Fußgänger mischen am Rande des Verkehrs mit.  Mir persönlich ist nach meiner Ankunft sofort der viele Plastikmüll aufgefallen, der an vielen Orten herumliegt. In einigen Bezirken gibt es keine gepflasterten Straßen. Doch Richtung Zentrum ist die Infrastruktur besser ausgebaut. Die Häuser in der Stadt sind fast alle einstöckig und mehrfach durch eine Mauer, zahlreiche Schlösser und Gitter gesichert. Die Angst vor Kriminalität ist bei den Einheimischen sehr hoch und viele Menschen sind unzufrieden mit der Sicherheitslage. Die Mauern haben aber auch eine praktische Funktion, weil sie vor Sandverwehungen schützen, trotzdem muss man täglich den Sand aus den Häusern fegen.. Das Leben spielt sich am Nachmittag und Abend vor allem auf den vielen verschiedenen Plätzen der Stadt ab, wo Kinder Ball spielen, die Menschen spazieren oder bei Musik in einer Bar sitzen. Sehr viele Brasilianer sitzen abends vor ihren Häusern, unterhalten sich mit Nachbarn und beobachten das Geschehen auf der Straße. Ein Großteil der Menschen geht mehrmals wöchentlich in die Kirche und nimmt am religiösen Leben teil, dass eine sehr große Bedeutung im Leben hat. Außerdem wird viel Sport getrieben, die zahlreichen Fitnessstudios sind abends immer sehr voll. Mir persönlich ist direkt aufgefallen, dass es viel mehr Kinder gibt und die Gesellschaft wesentlich jünger ist als in Deutschland. Das Leben hier wirkt viel lebendiger.

Meine Gastfamilie
Ich wohne hier im Haus meiner Gastfamilie und habe ein eigenes Zimmer. In meiner Gastfamilie leben meine Gastmutter, mein Gastvater und eine Hausfrau. Die zwei Söhne der Familie wohnen im Moment nicht hier. Der eine Gastbruder studiert in einer nahegelegenen Stadt und Iago, der andere Sohn, macht im Moment einen Freiwilligendienst in Deutschland.

Meine brasilianische Gastfamilie

Mein Projekt in Parnaiba
Da ich zum Ferienende der Schulkinder angekommen bin, gab es in den ersten Tagen hier ein Treffen aller Freiwilligen, die im Projeto Social in Parnaiba arbeiten. In der Stadt und auch in den umliegenden Dörfern gibt es zahlreiche Einrichtungen des Projetos Social, der die von Diözese Parnaiba durchgeführt werden. So gibt es eine Einrichtung für Obdachlose, einige Nutzgärten, die zur Nahrungsmittelversorgung beitragen, aber vor allem zahlreiche Sozialprojekte (Projetos Socais), in denen mit Kindern gearbeitet wird. Verteilt in der Stadt, vor allem in den ärmeren Vierteln gibt es diese Projekte, die für die Kinder neben der Schule stattfinden. So gehen die Kinder morgens oder nachmittags in die Schule, und zur anderen Tageszeit ins Projekt.

Kinder des Projetos Madre Cecilia

In den ersten Wochen wurde ich von Karla, die für organisatorische Aufgaben des Projekts zuständig ist, überall hin mitgenommen, sodass ich einen guten Überblick über die Arbeit bekommen habe.
Zweimal in der Woche hatte ich in den ersten zwei Monaten Portugiesisch-Unterricht mit einer Lehrerin, die eine Bekannte der Gastfamilie ist. Nachdem ich eine kleine Sprachgrundlage aufgebaut hatte, konnte ich mit der Arbeit im Projekt beginnen.
An vier Tagen in der Woche, von Montag bis Donnerstag, arbeite ich morgens arbeite im Projeto Santa Terezina und nachmittags in drei weiteren Projekten (Sao Francisco, Madre Cecilia, Sao Leopoldo), die in unterschiedlichen Stadtteilen liegen. Neben dieser Arbeit finden einige andere Aktivitäten statt, bei denen ich auch teilnehme und mithelfe.
Jeder Tag im Projekt ist sehr unterschiedlich, doch ich beschreibe jetzt einmal einen gewöhnlichen Tag, damit ihr eine Vorstellung von meinen Aufgaben bekommt.
Morgens gegen acht Uhr komme ich mit dem Fahrrad im Projeto Santa Terezina an, dass in einem etwas weiter außerhalb liegendem Bairro (Stadtteil) liegt. Außer mir arbeiten dort eine Köchin und meistens ein bis drei weitere brasilianische Freiwillige. Zu Beginn machen die ungefähr 20 Kinder, die 7-12 Jahre alt sind, ihre Schulaufgaben oder bekommen eine vorbereitete Aufgabe von uns Freiwilligen gestellt. Viele Kinder kommen aus sozialschwachen oder relativ armen Familien. Einige haben sehr große Probleme mit Lesen,Schreiben, und auch Rechnen. Oftmals ist es eine große Herausforderung die Wichtigkeit von Schulaufgaben zu vermitteln. Ich persönlich helfe viel bei Mathematik-, Erdkunde-, Englisch-, aber mittlerweile auch Portugiesisch-Aufgaben. Nach den Aufgaben haben wir Freiwilligen meist eine kreative Aufgabe wie Basteln oder Malen vorbereitet oder, was ich sehr gerne mit Kindern mache, ein sportliches Spiel. So habe ich schon zahlreiche Teamspiele vorbereitet, jedoch wollen die Kinder meistens Völkerball oder Fußball spielen. Beim Fußball habe ich schon einige Tricks von den Kindern gelernt. Ich wundere mich immer, warum ich nach kurzer Zeit in den heißen Temperaturen am stärksten schwitze. Den Kindern scheint die Hitze wenig auszumachen und sie könnten noch mehrere Stunden weiterspielen.

Die Kinder bei einer Aufgabe im Projeto Social

Danach gibt es meistens ein warmes Mittagessen oder manchmal nur einen Snack, den die Köchin vorbereitet hat. Nach einem gemeinsamen Gebet helfe ich das Essen zu verteilen und es kehrt für kurze Zeit etwas Stille ein. Danach müssen die Kinder die Zähne putzen. Seit kurzem führe ich eine Liste darüber. Eine sehr deutsche Eigenschaft, aber da bei jedem Kind im Projekt nach einem Zahnarztbesuch Karies festgestellt wurde, fand ich das sehr wichtig. Nach dem Aufräumen fahre ich in der brennenden Mittagshitze gegen 11 Uhr nach Hause und habe eine lange Mittagspause bis 14 Uhr. Am Nachmittag fahre ich dann mit einem Mototaxi in eines der drei weiteren Projekte. Sie liegen weiter von meiner Unterkunft entfernt und haben ein ähnliches Grundkonzept.
In den kommenden Rundbriefen, werde ich die Projekte noch genauer beschreiben.
Neben dem „Alltag“ im Projekt finden einige weitere Aktionen statt. Seit meiner Ankunft gab es zum Beispiel einen Besuch von Friseurlehrlingen, die den Kindern die Haare schneiden. Auch waren Studenten, die Zahnmedizin studieren dort, um die Kinder zu untersuchen und danach eine kostenlose Behandlung anzubieten. Viele Kinder waren noch nie beim Zahnarzt, da es sehr teuer ist. Ein weiteres Highlight fand nach dem Feiertag Dia das Criancas statt. Eine ganze Woche fanden in jedem Projekt tolle Aktionen für die Kinder statt. So wurden an einem Tag ein Trampolin aufgebaut, an einem andere ein Film geschaut, ein Clown spielte und tanzte mit den Kindern und am letzten Tag war der Höhepunkt ein Schwimmbadbesuch. Für viele Kinder war es das erste Mal in ihrem Leben und es hat allen sehr viel Spaß gemacht. Zusätzlich zu den Aktivitäten gab es Hotdogs, Süßigkeiten und am letzten Tag kleine Geschenke.

Schwimmbadbesuch am „Dia das criancas“

Mit meinem Alltag in Brasilien bin ich im Moment sehr zufrieden. Meine Vorfreiwillige Angela Pinger, mit der sich meine Einsatzzeit um einen Monat Überschnitt, hat mir am Anfang bei vielem geholfen und ich konnte einige ihrer Freunde kennenlernen und erste Kontakte knüpfen. So habe ich zum Beispiel Anschluss in einem sehr guten Volleyballteam gefunden, in dem ich mehrmals in der Woche spiele. Viel Kontakt zu Gleichaltrigen habe ich auch über die Kirchengemeinde bekommen und mittlerweile einen Freundeskreis dort. So fahre ich am Wochenende oft mit zum Strand oder besuche Freunde. Sehr viel gelernt und viele Erfahrungen habe ich durch Padre Heinrich Hegemann, dem Verantwortlichem für die deutschen Freiwilligen, bekommen. Er ist Deutscher und arbeitet schon seit mehr als 20 Jahren als Priester im Nordosten Brasiliens. Fast jeden Sonntag begleite ich ihn in die Messe auf der „Ilha Grande“, eine bewohnte Insel des Flussdeltas hier. Auch nimmt er mich bei vielen spannenden Abenteuern mit, die zu seinem Arbeitsalltag als Priester gehören. So zum Beispiel eine Pferdeprozession oder eine Kanufahrt auf eine kleine Insel des Flussdeltas.

IAuf einer  Flussinsel beim Cashewnüsse verarbeiten

In meinem nächsten Rundbrief werde ich auf diese Erlebnisse, meine Freizeit sowie kleinere Reisen genauer eingehen. Ichwurde viel gefragt, wie die Stimmung vor und nach der Präsidentschaftswahl hier ist. Darauf werde ich in den kommenden Rundbriefen eingehen. Auch meine persönlichen Erfahrungen mit den Brasilianern werde ich dann beschreiben.
Ich bedanke mich herzlich bei allen, die mich unterstützen und Interesse an meinem Freiwilligendienst zeigen. Bei Fragen könnt ihr gerne Kontakt mit mir aufnehmen. Ich bedanke mich für das Lesen des Rundbriefes und sende herzliche Grüße nach Deutschland!

Bolivien: 1. Rundbrief von Magdalena Gilla

Hallo liebe LeserInnen,

3 Monate! Was kann alles in 3 Monaten passieren? Vielleicht erscheint es auf den ersten Blick so, als ob es nicht sehr viel ist. Im Vergleich dazu: ich ging 13 Jahre in die Schule, ein durchschnittlicher Mensch schläft 24 Jahre, verbringt 12 Jahre vor dem Fernseher, putzt etwa 16 Monate in seinem Leben, isst etwa 5 Jahre und redet etwa 2 Jahre über Klatsch, Tratsch und Witze. Dem gegenüber sind 3 Monate nicht sehr viel Zeit und auch mir kam die Zeit um einiges kürzer vor, sie verging wie im Flug und bevor ich es richtig realisiert hatte, bin ich gut hier angekommen, spreche Spanisch und habe mich an Dinge gewöhnt, die noch bei meiner Ankunft unglaublich ungewohnt und teilweise etwas seltsam waren. Bolivien: 1. Rundbrief von Magdalena Gilla weiterlesen

Ukraine: 1. Rundbrief von Frauke Weber

Ich mach mich auf den Weg…

Über ein halbes Jahr Vorbereitung, mein Abitur, was mich bis Mitte Juni beschäftigt und plötzlich waren es nur noch wenige Tage bis zu meiner Ausreise. Tatsächlich hatte ich die letzte Zeit in Deutschland eher das Gefühl, dass es noch unvorstellbar lang ist, bis es endlich losgeht. Umso überraschender war es dann, als ich nachts um drei Uhr am Bahnhof stand und mir klar war jetzt geht es los. Als ich dann im Bus saß und gesehen habe wie wir Trier verlassen, kam mir erst mal die Frage darüber auf was ich eigentlich hier mache. Ich meine, ich begebe mich für ein Jahr in ein anderes Land wo ich niemanden kenne und nicht mal die Sprache auch nur im Ansatz beherrsche. So sehr sich der logisch denkende Teil in mir auch gefragt hat ob ich den Verstand verloren habe, die Vorfreude konnte er mir aber nicht nehmen.

Ukraine: 1. Rundbrief von Frauke Weber weiterlesen

Rumänien: 1.Rundbrief von Alina Reimer

Meine Lieben!

Es sind jetzt schon über drei Monate her, als ich mich von euch allen verabschiedet und mich in das Abenteuer Rumänien gestürzt habe! Deshalb wird es nun Zeit, euch zu erzählen, was ich alles in dieser neuen, aufregenden, verwirrenden, schönen und anderen Zeit erlebt habe 🙂

Zuallererst möchte ich euch aber sagen, dass es überhaupt nicht einfach ist, einen Bericht über diese Zeit zu schreiben. Denn das hier ist nicht nur eine neue Erfahrung, kein Perspektivenwechsel auf Zeit, sondern mein Alltag, mein neues Leben. Alles was ich euch aus Rumänien berichte, wird meine eigene (deutsche) Sichtweise auf das Land, die Menschen und die Lebensumstände widerspiegeln. Aber nun möchte ich beginnen, euch davon zu erzählen...

Rumänien: 1.Rundbrief von Alina Reimer weiterlesen

Ruanda: 1. Rundbrief von Felix Flämig

Eine unfassbar schöne Ankunftszeit hier in Rwanda liegt hinter mir und ich bin froh endlich von meiner Einsatzstelle im Nordosten des wunderschönen Landes berichten zu dürfen. Ich werde euch anstatt eines externen Blogs hier öfters von meinem Freiwilligendienst und meinen Gedanken erzählen. Lasst euch überraschen und bitte erwartet keinen perfekten oder vollständigen Bericht ; ich kann nicht alles in Worte fassen was hier geschieht Ruanda: 1. Rundbrief von Felix Flämig weiterlesen

Rumänien- 4. Rundbrief von Lena Jahn

Lieber Solidaritätskreis!

Der letzte Rundbrief hat auf sich warten lassen. Ich hoffe ihr seht es mir nach.
Ich wollte die letzten drei Monate noch einmal so richtig in mich aufsaugen und mir nach meiner Ankunft die Zeit nehmen, die ich brauchte. Außerdem musste ich noch warten, bis die Lieblingsbilder von meiner Einwegkamera entwickelt wurden, welche ich euch nicht vorenthalten wollte 🙂
Jetzt bin ich seit zwei Wochen wieder zuhause und meine Gedanken sind nun ein wenig geordneter und die anfängliche Zeit der Eingewöhnung in Deutschland hat sich allmählich eingestellt.
In meinem vierten und letzten Rundbrief aus Rumänien möchte ich von den Monaten Juni bis August berichten und wie es nun wieder ist, in Deutschland zu sein.
Ein letztes Mal wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen! 🙂

Familienbesuch
Als meine Nachfolgerin Rahel Ende Mai nach ihrem Vorbesuch abgereist war, kam auch schon wenige Tage später meine Familie mit dem Wohnmobil für eine Woche zu Besuch nach Rumänien, um sich ein besseres Bild von meinem Leben hier vor Ort machen zu können. Ich freute mich, ihnen meine Welt in Rumänien zeigen zu können, meine Freunde vor Ort vorzustellen, für sie landestypische Gerichte zu kochen, und als kleiner Tour-Guide zu fungieren .
Anschließend waren wir dann noch für ein paar Tage gemeinsam unterwegs im Osten des Landes und am Donaudelta. Die gemeinsame Zeit mit meiner Familie war wirklich schön, und vor allem so kleine Dinge wie gemeinsam frühstücken, habe ich sehr genossen 🙂
Ich muss auch sagen, dass ich dieses Mal mit einem ganz anderen Gefühl Urlaub gemacht habe. Irgendwie mit dem Bewusstsein und der Wertschätzung, was für ein Privileg das eigentlich ist, dass ich für eine Woche verreisen kann. Viele meiner Kollegen und Freunde hier können sich das in dem Ausmaß nämlich gar nicht leisten.

Auf dem Donaudelta
Schlammvulkane in Berca

 

 

 

 

 

 

Summer is coming
Obwohl der diesjährige Sommer in Rumänien eher durchwachsen war und die Hitzeperiode aus Deutschland nicht herüberschwappte, war es dennoch angenehm warm und sonnig hier.
Somit verlagerte sich zum Glück die Arbeit mit den Kindern und generell mein gesamter Alltag endlich mehr nach draußen.
In ,,erst‘‘ zwei Monaten sollte ich mein Leben in Târgu Mureş zurücklassen.
Aber so langsam stellte sich bei mir leider schon allmählich Abschiedsstimmung ein.
Denn mit meinem Deutschkurs ging es an die letzten Lektionen im Buch, eine meiner Mitbewohnerinnen zog um, und in den Roma-Projekten waren weniger Kinder bei der Betreuung, da schon ab Anfang Juni für die Schulkinder hier die dreimonatigen Sommerferien beginnen. Ich sah einfach gewisse Orte und Menschen zum letzten Mal.
Das Gefühl, was damit einherging, war sehr bedrückend, denn vor allem in den letzten Monaten war ich zufrieden mit meinem hier aufgebautem Leben gewesen und das schien sich nun viel zu schnell wieder aufzulösen. Aber es gab mir auch nochmal zusätzliche Energie, das Beste aus den mir verbleibenden Tagen zu nutzen.

Blumenbeete anlegen!

Vor allem auf der Arbeit versuchten meine Kollegen und ich, den Kindern während der Betreuung viele Outdoor-Spiele mit Naturmaterialien zu zeigen, damit die Kinder sich auch nach der Caritas-Betreuung mit Dingen wie Stöcken und Steinen ein Spiel zaubern konnten.
Auch meine Gitarre kam freudigerweise mehr zum Einsatz. Ich lernte so nochmal viele ungarische Kinderlieder und zeigte den Kids gerne, wie man eine Gitarre hält und spielt.
Und: Egal ob euch das Lied ,,Despacito‘‘ auf die Nerven geht. In meinen Ohren wird es immer positiv besetzt bleiben, weil es das Lieblingslied war, was ich mit den Kindern immer zusammen gesungen habe 🙂

(v.l.) Ich spiele mit Kristzina Gitarre ; wir spielen ein Steinchenspiel

 

Außerdem durfte ich im Sommer noch an zwei besonderen Caritas-Aktionen teilnehmen, von denen ich berichten möchte: Zum einen war ich im Caritas-Schwimteam beim diesjährigen ,,Swimathon‘‘ in Târgu Mureş.
Bei diesem Schwimm-Marathon, der im Stadtbad von Târgu Mureş stattfand, wurde für jede geschwommene Runde ein gewisser Betrag von Sponsoren an die Caritas gespendet.
Die geschwommenen 600 Euro unseres Teams wurden anschließend für Kinder-Spielsachen und Schulutensilien investiert.

Der Swimathon am 10. Juni. Eine tolle Aktion!

Des Weiteren verbrachte ich noch eine schöne Woche im Caritas-Sommer-Work-Camp.
Caritas-Freiwillige aus ganz Rumänien kamen in dem kleinen rumänischen Dorf namens Kápolnásfalu (rumänisch: Căpâlnița ) zusammen. Vormittags wurde viel handwerklich gearbeitet z.B. Spielplatz-Geräten und Zäunen einen neuen Anstrich verpasst oder Beete umgejätet.
Nachmitags standen dann Punkte wie Wandern, das Einüben ungarischer Lieder und Tänze und Lagerfeuer auf dem Programm. Es war nicht nur richtig schön, meine deutschen Freundinnen Renate und Vanessa dabei zu haben, sondern sich auch mit anderen Jugendlichen der Young Caritas auszutauschen und gut zu verstehen.
Ein Video zur Woche im Work-Camp findet ihr hier: https://www.facebook.com/YoungCaritasRo/videos/2142679695999983/

Unsere Gruppe beim Einstudieren              traditioneller Kreistänze;

 

 

Ein Braunbär stattete uns beim Wandern einen Besuch ab!  
unsere Gruppe (photo credits to Szabolc Ilyes)

Ich kann nicht mehr genau rekapitulieren, was dann noch alles geschah.
Aber kurz gesagt: Es standen noch ein paar Festivals auf dem Programm,
die Fußball-WM zog relativ unbeachtet an mir vorbei, und ich traf mich nochmal ein letztes Mal mit allen mir lieb gewonnenen Menschen. Deshalb war mein letzter Monat Juli terminlich sehr vollgepackt, aber trotzdem schön. Ende Juli gab es dann für mich und Tamara sogar eine Überraschung und Danksagung im Caritas-Büro mit Geschenken und einer Bilder-Diashow, was wirklich sehr schön war!

Anfang August nahm ich schließlich Abschied von meinem Leben in Rumänien.
Als ich in den Bus stieg, hatte ich viele gemischte Gefühle. Ich war verwundert, wie ein Jahr so schnell vorbei gehen konnte. Ich war und bin immer noch dankbar für alles, was ich erleben durfte und  traurig, die Leute zurückzulassen, die mir wichtig geworden sind. Ich war natürlich auch glücklich, meine Familie und Freunde in Deutschland wiederzusehen. Aber auch ängstlich, weil ich wusste, in Deutschland wird vieles anders werden, und bald würde ich erneut umziehen müssen, um zu studieren.

Anfang August ging es aber für mich noch nicht direkt nach Hause.
Zum Abschluss hatte ich geplant, mich noch mit Rahel, ihrem Bruder und meiner Schwester Lisa in Budapest zu treffen, um zusammen auf das Musik-Festival ,,Sziget‘‘ zu gehen.

Wander-Ausflug in Kotor, Montenegro mit meiner Schwester 🙂

Anschließend sind Lisa und ich noch durch verschiedene Balkanländer gereist. Dort haben wir in Hostels nette Bekanntschaften aus aller Welt machen können, aber ich konnte auch noch viel über Ex-Jugoslawien erfahren.
Und es war auch ein schöner Abschluss meines Auslandsaufenthaltes, da ich noch ein bisschen osteuropäischen Charme um mich herum genießen konnte, oder andere Backpacker traf, die gerade auch ihr Auslandsjahr in Osteuropa beendeten.

Da mich viele fragen, wie es jetzt ist, wieder in Deutschland zu sein, ein kleiner Einblick: Zum ersten Mal wieder auf einer Autobahn fahren, so viel Auswahl ( vor allem an Brotsorten 🙂 )in Supermärkten haben, wieder Deutsch reden und keinen einzigen Tramper am Straßenrand.
Das sind so einer der vielen Dinge, die mir primär aufgefallen sind, als ich wieder hier war.

bei der Ankunft in Koblenz

Ein paar Schlussworte 🙂
Zum Schluss möchte ich mich nochmal bei all denen bedanken, die mich im letzten Jahr unterstützt haben. Sei es durch Spenden, Besuche, ermutigende Telefonate, Nachrichten, E-Mails, und Briefe. Das hat mich echt immer aufgebaut, zu wissen, dass jemand an einen denkt.
Ich hoffe sehr, dass ich euch ein bisschen an meinem Leben hier in Rumänien teilhaben lassen konnte. Ich freue mich, den ein oder anderen bald nochmal persönlich zu sehen.
Ich möchte nicht so schnulzig klingen, aber ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nie so intensiv gelebt wie dort. Ich habe noch nie so viele unterschiedliche Menschen kennengelernt, ich wurde von so vielen Seiten mit offenen Armen empfangen, ich habe so viel neues Essen probiert, so viel über mich selbst gelernt und mich neuen Herausforderungen gestellt. Ich vermisse jetzt schon die rumänische ,,Kakao‘‘-Schokolade, die immer nach Vanille schmeckte, ich vermisse es, Ungarisch zu sprechen, Hand in Hand die Kids nach Hause zu bringen, die knusprigen Kifli-Hörnchen vom Bäcker, die Kreistänze in Szekler-Tracht, die langen Busfahrten über die noch längeren Landstrecken…

Ja, ich habe auch meine Tiefpunkte gehabt. Ich war vor allem anfangs sehr einsam und krankheitsbedingt nicht so auf der Höhe, was mich beides ziemlich niedergeschlagen hat.
Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich die Erinnerungen an solche Momente jetzt einfach so hinter mir lassen kann. Kann ich nicht. Solche Momente prägen einen auch. Aber wer kann schon sagen, dass einem in 365 Tagen nur ,,Gutes‘‘ widerfährt?

Vielleicht begreife ich im Augenblick auch noch gar nicht, was es genau mit mir gemacht hat und machen wird, ob und in welchem Maß es mich verändert und beeinflusst hat.
Aber eins steht für mich fest: Nach der Schule ins Ausland gehen und einen neuen Alltag sehen, Situationen aus anderen Blickwinkeln erfahren, praktisch zu arbeiten und sich zu engagieren hat sich auf jeden Fall gelohnt und ich würde es sofort wieder tun!
Es gibt einfach so viel mehr zu sehen und zu entdecken. Es ist es wert, über den eigenen Tellerrand zu schauen, seinen Horizont zu erweitern. mutig zu sein und sich Dinge zu trauen.
In diesem Sinne beende ich meinen Rundbrief. Danke für eure Zeit. Bis bald!

Eure Lena 🙂

( Im Anhang noch ein paar Bilder zum Abschluss 🙂 )

Bei meinem Abschied schenkten mir die Kinder meine Lieblings-Snacks aus Rumänien- Maisflips ( Pufuleti ) 🙂

 

mit Dalma und Emma beim Skezler-Mädchen-Tag
beim Work-Camp
Kaffee und Kuchen mit dem Deutschkurs
Beim Double-Rise-Festival in Torockó

Burkina Faso: 5.Rundbrief von Theresa Britten

Hallo ihr Lieben !

Seit knapp einem Monat bin ich wieder in Deutschland. Nach 13 Monaten bin ich heimgekehrt und habe meinen Freiwilligendienst in Burkina Faso mit einem weinenden und einem lachenden Auge beendet. Ein letztes Mal sitze ich an der Tastatur meines Computers, um euch von meinen Erfahrungen und Erlebnissen der letzten Monate zu berichten. Dieses Mal allerdings betrachte ich all das Erlebte in Burkina Faso aus der Distanz heraus und ich merke von Tag zu Tag, zurückgekehrt in meine alte Heimat, wie sehr sich mein Leben in Burkina von meinem Leben hier in Deutschland unterscheidet und wie meine Erlebnisse zu Erinnerungen werden.

Mittlerweile ist eine neue Freiwillige im Foyer Sainte Monique in Banfora und lebt und arbeitet mit den Schwestern und Mädchen dort zusammen. Für mich geht das Leben nun hier in Deutschland weiter und ich muss mein Leben in Burkina Faso hinter mir lassen. Wie ich meine letzten Monate in Banfora verbracht habe und was ich noch gerne loswerden möchte,  werde ich nun in dem folgenden fünften und letzten Rundbrief für euch verfassen.

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Ruanda: 3. Rundbrief von Lukas Wendling

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Interessierte, liebe Freunde und Familie,

nach ein paar Monaten wird es mal wieder Zeit, dass ich mich bei euch/Ihnen mit einem Rundbrief melde. Dieser Rundbrief berichtet über meinen momentanen Freiwilligendienst in Ruanda im Zeitraum zwischen Februar und Juni. In dieser kurzen Zeit ist wieder einiges bei mir passiert. Aber zu aller erst ein paar Gedanken meinerseits. Ruanda: 3. Rundbrief von Lukas Wendling weiterlesen

Ruanda: 2. Rundbrief von Lukas Wendling

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Interessierte, liebe Freunde und Familie,

ich lebe nun schon seit knapp einem halben Jahr in dem kleinen, mir zunächst fremdem aber doch so wundervollem Ruanda. In den letzten Monaten ist sehr viel passiert und ich versuche es auch so ausführlich wie möglich zu beschreiben. Die Reise ins Neue und Ungewisse ist für mich nun mein Alltag geworden. Ich habe mir hier quasi ein neues, zweites Leben aufgebaut. Es fühlt sich so an, als hätte ich zwei Leben in zwei verschiedenen Welten. Mir war von vorneherein klar, dass ich mich auf eine komplett neue Kultur einlassen werde und mein bekanntes und gewohntes Leben in diesem Jahr hinter mir lasse. Doch nun genau das zu erleben, einfach mittendrin zu sein, ist einfach unbeschreiblich. Zu sehen, dass das Leben auch anders funktioniert, als mit der neusten Technik, dem streben nach Erfolg und einem hohen gesellschaftlichem Druck. Es kann so einfach sein und wenn man genau hinschaut, kann man in dieser Einfachheit sehr schöne Dinge erkennen. Ruanda: 2. Rundbrief von Lukas Wendling weiterlesen

Jordanien: 4.Rundbrief von Charlotte Kaspar

einige Schüler der sechsten Klasse im traditionellen Gewand nach ihrem Auftritt an der Schulfeier

Hallo,
zu meinem vierten und letzten Rundbrief!

In wenigen Tagen ist mein Jahr als Freiwillige in Jordanien schon zu Ende und es geht wieder zurück nach Deutschland. Zuvor möchte ich euch von den letzten drei Monaten erzählen, in denen ich noch viel Neues erlebt habe…

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