Daniel Matlok 1. Rundbrief Brasilien

Erster Rundbrief aus Brasilien

Liebe Familie, Bekannte, Freunde und Mitfreiwillige,

etwa zwei Monate ist es jetzt her, dass ich ohne Sprachkenntnisse in dieses ferne und mir eigentlich so fremde Land Brasilien gereist bin. Und nun möchte ich euch an einigen meiner vielen Eindrücke, Erfahrungen und Begegnungen teilhaben lassen.

Meine Anreise

Abgeflogen bin ich von Frankfurt, zusammen mit Sara und Judith, meinen Mitfreiwilligen. Die Aufregung stieg immer mehr und es hieß „Auf Wiedersehen, bis in einem Jahr“. Ungefähr 10 Stunden dauerte der Flug nach Fortaleza, doch wir waren lange noch nicht da. Zum Glück hatten wir die Hilfe von Barbara, einer Freundin unserer Vorgängerin, ansonsten säßen wir bestimmt immer noch am Flughafen in Fortaleza. Am Busbahnhof dann die ernüchternde Information, dass an diesem Abend keine Busse mehr fahren und der nächste erst am nächsten Tag um 19 Uhr kommt. So mussten wir also einen Zwischenstopp in Fortaleza einlegen. Wir wagten uns am nächsten Tag, gestärkt durch unserer Übernachtung im Hotel und dem riesigen Frühstücksbüffet, einen kleinen Spaziergang durch die Umgebung zu machen und konnten so schon erste Eindrücke von Brasilien gewinnen. Sogar einen kleinen Einkauf haben wir gemeistert.

So ging es dann abends mit dem Ônibus Richtung Parnaiba, wo wir dann wiederum nach 9 Stunden ankamen. Aber auch das war noch nicht das Ende meiner Reise, denn nach ein paar Tagen sollte es weiter nach Piripiri zu meinem neuen Projekt gehen (ursprünglich war Parnaiba als Einsatzstelle geplant).

Ich weiß noch wie Felix, einer meiner Vorgänger, beim Orientierungswochenende, an welchem ich noch nicht wusste, dass es für mich nach Brasilien gehen wird, erzählt hat, wie er Tage für die Anreise gebraucht hat. Zum Glück, dachte ich in diesem Moment, muss ich das nicht machen. Naja so kann es kommen.

Mein Projekt

Mein neues Projekt gefällt mir super. Ich arbeite von Montag bis Freitag immer vormittags in einer Schule für physisch und psychisch beeinträchtigte Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Insgesamt wird die Einrichtung namens „APAE“ von 184 Schülern besucht. Diese kommen zwei Mal die Woche entweder vormittags oder nachmittags, das heißt, es sind eigentlich immer so um die 20 Schüler da. Der Großteil der jüngeren Schüler besucht nebenbei noch die reguläre Schule.

Die Schüler sind unterteilt in unterschiedliche Klassen. Ein Unterricht besteht in der Regel aus 1-3 Schülern, wobei gezielt auf die Schwächen der Schüler eingegangen wird. So werden einfache mathematische Aufgaben gerechnet, die Zahlen anschaulich dargelegt, die Vokale spielerisch vermittelt usw. Die älteren Schüler, welche nicht mehr zur regulären Schule gehen, basteln kreativ oder erlernen einfachere Dinge.

Mein Arbeitstag beginnt damit, mit dem Schulbus zur APAE zu fahren.(Auch die Schüler nutzen diesen) Der Bus kommt zwischen 7:00 Uhr und 7:30 Uhr, so ganz ist das leider nicht definiert, aber auch daran gewöhnt man sich mit der Zeit und lernt sich anzupassen. Und bis jetzt habe ich den Bus auch erst drei Mal verpasst, was auf der Arbeit aber eher locker aufgenommen und mit einem Lachen kommentiert wurde.

Egal wie müde ich am Morgen bin und egal wie meine Laune gerade ist, wenn ich in den Schulbus steige, zaubert es mir einfach ein Lächeln ins Gesicht. Wenn ich in die lachenden Gesichter der Schüler und Lehrer blicke, die mich mit einem fröhlichen „Bom Dia“ (Guten Morgen) begrüßen, geht es mir einfach nur gut. Im Bus wird gesungen, getanzt (wobei ich natürlich nicht still dasitzen darf), geplaudert und gelacht oder die neusten Videos der Enkel der Lehrer ausgetauscht. Mit einem Schüler tausche ich manchmal auch Musik aus, was für uns beide interessant ist und eine Möglichkeit bietet die Kultur des Anderen zu entdecken.

In der Schule bin ich dann jeden Tag bei zwei verschiedenen Unterrichten dabei um möglichst mit allen Schülern und Lehrern in Kontakt zu kommen und alles mal kennenzulernen. Im Unterricht selbst mache ich eigentlich fast all das, was die Lehrer auch machen. Ich schreibe Aufgaben an die Tafel, bespreche und korrigiere diese gemeinsam mit den Schülern. Wir basteln zusammen, ich gehe die Zahlen oder Buchstaben spielerisch mit ihnen durch oder wir spielen, wenn am Ende des Unterrichts noch Zeit da ist.

Ich wurde sehr herzlich von allen Lehrern und Schülern aufgenommen, was mir das Einleben durchaus einfacher gemacht hat. Für mich ist die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen eine ganz neue Erfahrung, für die ich aber sehr dankbar bin. Durch diese Erfahrung konnte ich einen ganz neuen Blick für diese Menschen gewinnen und einige falsche Vorstellungen korrigieren. Mittlerweile ist es wirklich so, dass ich die Schüler gar nicht mehr als Menschen mit Behinderungen sehe, sondern als die Personen die mich so freundlich aufgenommen haben, die mich immer zum Lachen bringen können und die mich gerne auch mal in ein Gespräch einbinden. Natürlich werden einfachere Dinge gelehrt, als in der regulären Schule und es ist vielleicht manchmal etwas Geduld gefragt, wenn ein Schüler für zwei Zahlen anderthalb Stunden braucht, aber bei jedem kleinen Erfolg hat sich die Zeit für mich gelohnt.

Meine Gastfamilie und Freunde

Ich wohne in einem kleinen Häuschen zusammen mit einem älteren Ehepaar und ihrem jüngsten Sohn. Meine Gasteltern sind etwa Mitte 60 und ihre Kinder sind zwischen 29 und 43 Jahre alt. Ich habe ein gemütliches Zimmer, mit allem was ich so brauche. Doch was viel wichtiger zu erzählen ist, ist die riesige Gastfreundlichkeit, mit der ich hier aufgenommen wurde. Sowieso schon ist es nicht selbstverständlich einen eigentlich Fremden bei sich aufzunehmen und bei sich schlafen zu lassen. Doch von Anfang an wurde ich aufgenommen und behandelt als wäre ich ihr Sohn bzw. Bruder und es wird mir auch oft gesagt, dass ich ein Teil der Familie bin. Meine Gastmutter erzählt mir gerne, wie sehr sie mich schon ins Herz geschlossen hat und wie gut ich ihr und ihrer Familie tue. Vor ein paar Tagen sind ihr fast schon die Tränen gekommen, als sie daran gedacht, dass ich (schon) in 10/11 Monaten wieder abreise.

Diese Worte und die enorme Gastfreundlichkeit berühren mich jedes Mal aufs Neue und ich freue mich dieses Glück zu haben.

Abends sitzen wir gerne mit dem Rest der Familie vor dem Haus, plaudern etwas, erzählen uns von den Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen Brasilien und Deutschland, spielen Bingo oder essen etwas.

Ansonsten habe ich auch schon ein paar Freunde gefunden. Besonders für Onassis, meinem Arbeitskollegen, bin ich sehr dankbar. Er hat mir an meinen ersten Tag auf der Arbeit immer geholfen, wenn ich mal nicht so ganz wusste wo ich gebraucht werde. Wir beide gehen regelmäßig abends essen. (Perfekt um das Churrasco kennenzulernen, das brasilianische Grillfleisch).

Deusdete habe ich durch meine Sprachlehrerin kennengelernt. Er ist Spanischlehrer und genau doppelt so alt wie ich. Das stört aber nicht und war eigentlich auch nie wirklich präsent. Dank ihm bin ich ein „Flamengisto“ (So nennt man die Fans der brasilianischen Fußballmannschaft Flamengo, übrigens die beste die es gibt, das steht fest!) und wir schauen jetzt fast jedes Spiel zusammen in einer Bar.

Auch die Freunde von meinem Gastbruder haben mich direkt freundlich aufgenommen. Mittlerweile spielen wir regelmäßig Fußball (Natürlich ist das 7:1 Von der Partie Deutschland gegen Brasilien oft ein Thema, aber definitiv nicht das beliebteste) und quatschen.

Die Religion

Bis jetzt bin ich in Brasilien nur mit dem katholischen Christentum in Kontakt gekommen. Es gibt auch einige evangelische Christen (die allerdings keine eigenen Kirchen, sondern nur Häuser bzw. Räume besitzen) und einige afrobrasilianische Religionen, über die ich aber nicht genaueres sagen kann.

Meine Gastfamilie ist eine sehr fromme Familie. Meine Gastmutter trägt lediglich blaue und weiße Kleider, weil das die Farben der Stadtpatronin sind und mein Gastbruder ist Katechet. Jede Stadt in Brasilien hat ihren eigenen Patron, in Piripiri ist das Nossa Senhora dos Remédios. Auch Brasilien hat ihre eigene Patronin (Nossa Senhora aparecida). Mitte Oktober ist der Feiertag der Patronin von Piripiri, was mit einem einwöchigen Fest gefeiert wird. Dabei gibt es täglich große Messen, zu denen sich Tausende Menschen versammeln. Einige besonders fromme Personen tragen zu den Messen ausschließlich weiße Kleidung und kommen ohne Schuhe. Diese besondere Darstellung seines Glaubens nennt man „Luto“. Außerdem gibt es auf einigen Plätzen in der Stadt Hütten, die Essen verkaufen und auch Fahrgeschäfte wie Autoscooter oder Riesenrad.

Wer den Rest meines Rundbriefes noch lesen möchte, meldet sich bitte persönlich bei    mir 🙂

Abracos

Daniel

 

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Brasilien: 2. Rundbrief von Judith Demerath

Hallo Ihr Lieben,
schon wieder sind zwei Monate vergangen, gefüllt mit vielen neuen Begegnungen, eindrucksvollen Erlebnissen, mit unglaublich schönen Momenten und Stunden in meinen Arbeitsstellen und auch im sonstigen Alltag und auch mit viel Hitze und Sonne!
Von alldem möchte ich euch ein bisschen erzählen und versuchen, euch so einen kleinen Eindruck in mein Leben hier zu geben.

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Brasilien: 1. Rundbrief von Judith Demerath

Ich kann es kaum glauben, aber jetzt bin ich schon zwei Monate hier in Brasilien! Die Zeit vergeht so unglaublich schnell! Jeden Tag erlebe ich Neues: So viel Fremdes, Schönes, Trauriges, Bereicherndes, Überraschendes. Und dabei treffe ich auf Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebenshintergründen und Gedanken. Jedes Stadtviertel hier ist anders. Es ist jeden Tag aufs Neue spannend und auch herausfordernd… Brasilien: 1. Rundbrief von Judith Demerath weiterlesen

Bolivien: 1. Rundbrief von Aaron Müller

So anders hier – Einführungszeit in La Paz

Meine ersten Eindrücke: Es ist so anders hier in Bolivien. Wenn man über die unfertigen Backsteinhäuser der Stadt schwebt oder über die riesigen Märkte läuft. Wenn man ständig von Minibussen und Taxis angehupt wird und dauernd vergisst, sich nicht anzuschnallen. Und wenn irgendwelche Parasiten in einem leben wollen. Aber ich fange mal vorne an und erzähle vom ersten Monat, die Einführungszeit in La Paz, bis zu meiner verspäteten Abreise nach Sucre. Am 5. August ging es los, am Frankfurter Flughafen, mit einer Gruppe von 8 Freiwilligen von SoFiA. Bolivien: 1. Rundbrief von Aaron Müller weiterlesen

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Jordanien: 2. Rundbrief von Hannah Wiegand

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Länderdreieck“: Israel (links), Syrien (rechts), Jordanien; links: See Genezareth

 

 

 

Ahlan wa sahlan
 أهلا وسهلا
Willkommen ihr Lieben,

so langsam nimmt alles seinen Lauf und ich kann euch einiges Neues berichten: Die Aufgaben im Projekt werden immer konkreter, mein Arabisch verbessert sich und ich finde meinen Platz. Es ist lange nicht mehr alles so aufregend und neu für mich, wie in der ersten Zeit. Es gibt Dinge, die ich mir schon gar nicht mehr wegdenken kann und wiederum Dinge, die zu akzeptieren mir immer noch schwer fällt.

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1. Rundbrief Rumänien: Miercurea-Ciuc von Lea Marie Siegel

Hallo ihr Lieben,

weitere Freiwillige und ich bei einem Familienspieltag
weitere Freiwillige und ich bei einem Familienspieltag

nun sind insgesamt schon 3 Monate vergangen. Um die Ereignisse ein bisschen zu gliedern fange ich mit meiner Anreise und meinem Monat in Targu Mures an und gehe dann über zu meinem Projekt, den Menschen hier in Miercurea-Ciuc und weiteren Erlebnissen.

Anreise

Ich habe mich bei meiner Anreise nach Rumänien für den Zug entschieden, was mit fast 30 Stunden die längere Variante im Gegensatz zu dem Flug mit gerade mal zwei Stunden reiner Flugzeit ist. Um ehrlich zu sein, es war nicht die komfortabelste Reise, aber ich möchte diese Erfahrungen auch nicht missen. 1. Rundbrief Rumänien: Miercurea-Ciuc von Lea Marie Siegel weiterlesen