Bolivien: 1. Rundbrief von Raphael Böhler

Ich stehe hier mit einer Tüte Koka im Flur, 10m entfernt von meiner Wohnungstür, um ein wenig vom WLan der nebenanliegenden Schule abzugreifen um diese Worte in die weite Welt hochzuladen.

Es wird Zeit euch zu berichten wie es mir in meinen ersten drei Monaten in Bolivien ergangen ist:
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Uganda: 2. Rundbrief von Janine Stammer

Abenteuer in Ostafrika

Sonnenuntergang am Nil

Lieber Solidaritätskreis, Freunde und Verwandte!

Die Zeit vergeht wie im Flug. Fliegen. Ich wünschte ich könnte das. Denn dann könnte ich viel mehr schöne Orte hier in Uganda in kurzer Zeit sehen. Das Land hat so viel faszinierende Natur zu bieten, die ich sehr viel öfter als Ausgleich zur Großstadt genießen wollen würde. Aber man kann nicht alles haben und muss zufrieden sein mit dem was man hat. So bin ich auch froh über die Erfahrungen und Erlebnisse, die ich hier schon machen durfte. Und genau davon möchte ich euch jetzt ein wenig erzählen.

Gottesdienst mal anders
Das erste große Event, bei dem ich hier war, fand am 21. August statt. Das war ein Feiertag, bei dem die Muslime hier Eid Adhuha, ein religiöses Event, feierten. Ich ging allerdings mit meiner Nachbarin zu einem größeren Gottesdienst ein wenig außerhalb von Kampala. Wir fuhren eine Weile mit dem Taxibus dorthin, wo viele Leute mit Plastikstühlen den Berg hochströmten. Oben angekommen wurde schon gesungen und getanzt. In den Gottesdiensten hier wird im „Call and Response“ style (Ruf und Antwort) gesungen und die Lieder sind schon peppiger als unsere Kirchenlieder. An sich war es eine echt krasse und interessante Erfahrung. Es wurden predigten mal auf Luganda mal auf Englisch sowie Abendmahl und Segen abgehalten. Generell sind die Priester hier sehr locker drauf und reißen auch mal den ein oder anderen Witz. Die Leute reagieren auch immer auf das was gesagt wurde mit Applaus oder einer Antwort. Immer wieder wurde gesungen und getanzt beziehungsweise geklatscht. Zwischendurch gab es mind. 3 Mal eine Phase von ca. 6 Minuten, in der es richtig abging. So wie ich es verstanden habe, sollte man in den Phasen Gott in sich aufnehmen, sich ihm hingeben. Auf jeden Fall war das schon etwas komisch, denn jedes Mal bekam ich eine Gänsehaut. Ich versuche mal die Situation zu beschreiben, obwohl man das echt nur versteht, wenn man selbst dabei war.

Alle stehen und klatschen aufgeregt. Der Priester wiederholt einen Satz laut immer wieder. Das Klatschen hört sich an wie ein Wasserfall und es steigert sich immer mehr. Um einen herum fangen die Leute an vor und zurück zu wippen. Manche fangen an wilde Bewegungen zu machen, andere haben einfach die Augen geschlossen und sind komplett in sich gekehrt. Alle folgen dem Strom. Einzelne beginnen zu kreischen, zu weinen, komplett abgedrehte Bewegungen zu machen und scheinen nicht mehr sie selbst zu sein.

So ungefähr kann ich das beschreiben. Alles in allem war es sehr lebendig wenn auch manchmal etwas unheimlich. Der Gottesdienst dauerte ganze 6 Stunden und dementsprechend war ich dann auch hungrig. Aber das ist hier in Uganda kein großes Problem, weil man wirklich überall etwas zu essen kaufen kann, wenn auch nur einen gegrillten Maiskolben, Kochbananen oder salziges Popcorn. Zudem sind die Portionen hier riesig. Es werden mehrere Sachen auf den Teller gepackt. Die übliche Auswahl besteht aus Reis, Posho, Matooke (Kochbananen), Süßkartoffeln, normalen Kartoffeln, Hühnchen/ Rind, Erdnusssoße, Suppe, Kürbis, Bohnen. Egal was man nimmt, die Teller sind immer zum überlaufen voll. Daran musste ich mich auch erst gewöhnen, aber das ging relativ schnell. Mir ist aufgefallen, dass ich jetzt viel mehr esse und essen kann. Dementsprechend habe ich auch zugenommen.

Reisen durch Uganda

Auf dem Minarett
Gaddhafi Moschee

Was in letzter Zeit auch zugenommen hat waren mein Reisen. Kurz vor Weihnachten haben mich Kati (aus Soroti), Felix und Leonhard (Freiwillige aus Ruanda) besucht. Wir haben die Gaddhafi Moschee besichtigt, in der wir Frauen ein Kopftuch und Beinbedeckung tragen mussten. Wir erfuhren etwas über die Geschichte der Moschee und konnten auf das Minarett hochsteigen, wo wir die Möglichkeit hatten fast ganz Kampala zu sehen. Am nächsten Tag sind Felix, Leonhard und ich sehr früh mit dem Bus nach Kasese im Westen von Uganda gefahren. Die Fahrt dauerte eine gefühlte Ewigkeit und war sehr unbequem da jeder Weihnachtsgeschenke dabei hatte, sich vier statt drei Personen in eine Sitzreihe quetschen mussten und sehr unsanft über Bremsschwellen gefahren wurde. In Kasese angekommen hat uns Kata, ein Freund von mir, abgeholt, der alles dort organisiert hatte. Wir waren in einer kleinen Hütte in einem Zimmer mit mehreren Stockbetten untergebracht. Das Hüttchen befand sich mitten in der Natur und ganz in der Nähe eines kristallklaren Flusses. Kasese ist umgeben vom Rwenzori-Gebirge, weshalb das Wasser auch entsprechend kalt war, als wir darin badeten.

Mauerbauen in Kasese

Uns wurde das Gelände gezeigt und wir durften einmal ausprobieren eine Ziegelsteinmauer zu bauen. Unser Besuch dort dauerte 4 Tage, was mir fast schon zu kurz war, da ich die Natur dort richtig genoss. In den paar Tagen waren wir unter anderem auf dem Markt und kauften uns Früchte, um uns einen frischen Smoothie zu machen.

Wir besuchten die heißen Quellen, schwammen darin

Salzsee

und probierten den regionalen Schnaps „Super“. Ein Tagesausflug zum Queen Elizabeth Nationalpark war auch dabei, bei dem wir Elefanten, Warzenschweine, Vögel und Nilpferde sahen sowie zwei Salzseen und die Seen Eduard und George. Auf der Fahrt dorthin haben wir den Äquator überquert.

Zudem besuchten wir Katas Familie, die direkt an der Grenze zum Kongo wohnt. Dort waren wir die Ehrengäste in der Kirche und durften mit der Familie beim Weihnachtsmahl mitessen. Wir machten auch einen Spaziergang zum Grenzfluss und konnten einmal ausprobieren in einem kleinen Teich mit Stock und Schnur zu angeln. So verbrachten wir Weihnachten und ich bin froh, dass ich Gesellschaft hatte, sonst hätte ich meine Familie nur noch mehr vermisst. Am 26.12. fuhren wir wieder zurück nach Kampala. Die Rückfahrt war genauso unbequem und einmal versagten sogar die Bremsen vom Bus an einem Hügel, weswegen wir den Buckel runterrasten und gegen eine Mauer fuhren. Zum Glück ist nichts Schlimmes passiert außer dass die Passagiere geschockt waren. Ich muss zugeben, dass ich davon nichts mitbekommen habe, da ich schlief und erst aufwachte als wir schon gegen die Mauer geknallt sind.

Botanischer Garten

In Kampala angekommen ruhten wir uns erst einmal aus und am nächsten Tag gings nach Entebbe. Die Stadt liegt direkt am Victoriasee und war die Hauptstadt in der Kolonialzeit. Übersetzt
heißt Entebbe „Stuhl“, den genauen Grund kenne ich allerdings nicht. Dort gingen wir in den Tierpark UWEC, in dem verletzte oder anderweitig behinderte Tiere versorgt werden und sahen den Kronenkranich sowie den Shoebill (Schuhschnabel), der nur in Afrika zu finden ist. Nachdem wir lokal gut gegessen haben, schauten wir uns den Botanischen Garten an, in dem viele verschiedene Pflanzen zu finden sind, sowie riesige Bäume. Am Strand machten wir es uns in einer erhöhten Strandhütte bequem und genossen die Aussicht über den Victoriasee.

Am Tag darauf fuhren wir nach Jinja, das bekannt ist für die Quelle des Nils.

Ssezibwa Falls

Davor machten wir aber einen Zwischenstopp bei den Ssezibwa Falls, bei dem wir hochsteigen und die Aussicht genießen konnten. In der schönen Stadt Jinja liefen wir in Richtung Wasser und stießen zufällig auf ein Gefängnis. Der Ort wurde deswegen für ein Gefängnis gewählt, da die meisten Leute in Uganda nicht schwimmen können und es dadurch schwer ist zu fliehen. Auf jeden Fall fuhren wir dann zur Quelle des Nils beziehungsweise ließen uns mit einem kleinen Boot hinfahren. Man erkennt die Quelle eigentlich nur durch das Schild im Wasser und dem leicht sichtbaren Hochströmen von Wasser. Da der Wasserspiegel gestiegen ist und das Wasser gestaut wurde, ist die Quelle unter Wasser und inmitten des Übergangs vom Victoriasee zum Nil. Unsere Bootsfahrt dauerte ca. eine Stunde, bei der wir ein kleines Fischerdorf und viele Vögel sahen. Danach machten wir es uns in einem Restaurant am Wasser gemütlich und genossen den Sonnenuntergang.

Nachbarland 
Am 30.12. fuhren wir mit dem Bus 14 Stunden nach Rwanda. Schon an der Grenze wurde erkennbar, dass in Rwanda mehr auf Sauberkeit der Umwelt und Ordnung geachtet wird als in Uganda. Dafür ist Rwanda aber auch viel kleiner als Uganda, was die Sache einfacher macht. Die Vegetation ist sehr ähnlich, nur gibt es dort wesentlich mehr und enger beieinander liegende Berge. Es ist etwas kühler dort und es regnete öfter. Die Hauptstadt Kigali ist umgeben von Bergen, wodurch man fast überall eine schöne Aussicht über die Stadt hat.

Kigali

Die Straßen dort sind auch fast alle geteert und es wird mehr auf Zebrastreifen geachtet. Nachts ist es auch sicherer, da mehr Polizisten unterwegs sind. Ich war über die Zeit bei Leonhard

Feuerwerk am Convention Center

untergebracht und genoss es mal nichts tun zu müssen wie waschen oder putzen. Silvester verbrachten wir zusammen und feierten ins neue Jahr mit anderen Freiwilligen bei einem schönen Feuerwerk am Convention Center und anschließendem Clubbesuch.

Auf dem Parlamentsgelände

Doch ich lernte nicht nur die Clubs in Kigali kennen, sondern lernte auch etwas über die düstere Vergangenheit Rwandas. Wir besuchten das Genocide Museum im Parlament sowie das Genocide Memorial. Die Geschichte erinnerte mich auch etwas an die Vergangenheit Deutschlands und manchmal war ich kurz davor zu weinen. Wie der Begriff Völkermord schon aussagt, hat die mehrheitliche Volksgruppe der Hutu die minderheitliche Volksgruppe der Tutsi über fast 4 Monate hinweg im Jahr 1994 abgeschlachtet. Es wurden auch Hutus getötet, die sich weigerten beim Völkermord mitzumachen oder Tutsi halfen.

Eine Grabstätte vom Genozid

Insgesamt kostete es ca. 800.000 bis 1.000.000 Menschen das Leben, wobei auch Kinder und Frauen brutal niedergemetzelt wurden. Der Genozid ereignete sich im Kontext eines langjährigen Konflikts zwischen der damaligen ruandischen Regierung und der Rebellenbewegung Ruandische Patriotische Front (RPF). Da der Völkermord noch nicht so lange her ist sind immer noch Auswirkungen zu spüren schon allein durch den Verlust vieler Familienmitglieder.

Doch neben all dem haben wir auch noch andere Sachen gemacht. Ich ließ mir zum Beispiel eine Bomberjacke schneidern und wir kochten zusammen Curry-Hühnchen mit Ananas. Felix nahm mich auch oft zu seiner Gastfamilie in Kigali mit, die

Pizzaessen nach dem Krankenhausbesuch

mich sehr freundlich aufnahm. Leider konnten wir nicht alles machen, was wir geplant hatten, da erst Leonhard und dann ich krank wurden.Wir hatten beide Magenbeschwerden, die aber nach zwei Tagen wieder weg waren. Nur habe ich danach zu wenig getrunken und gegessen, was zum Wasser- und Nahrungsmangel bei mir führte, wie ich später vom Arzt erfuhr. Am Tag meiner eigentlichen Abreise fühlte ich mich schwach, hatte Bauchschmerzen und Schwierigkeiten mich auf den Beinen zu halten. Deswegen beschloss ich meine Abreise auf den nächsten Tag zu verschieben und stattdessen ins Krankenhaus zu gehen, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist und ich nichts Schwerwiegendes habe. Nachdem ich gut behandelt wurde und wusste was los ist, gingen ich und Leonhard erst einmal Pizza essen bei schöner Aussicht.

Alles in Allem war es trotzdem ein schöner Ausflug und mal was Anderes. Ich kam am 06.01. zurück und die Schule ging für mich am nächsten Tag wieder los. An meinem Alltag hat sich nicht viel geändert. Dazugekommen ist nur, dass ich den MSD-Club (Music, Sport, Drama- Club) angefangen habe, bei dem es eine Tanz-, Musik- und Sportgruppe gibt. Diese von mir angebotenen Freizeitaktivitäten sollen den Schülern Abwechslung, Spaß, Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein und eine Möglichkeit andere kennenzulernen geben. Zwar ist das Projekt noch in der Anfangsphase, aber ich hoffe, dass es gut funktionieren wird und mehr Schüler daran teilnehmen werden.

Ansonsten geht es mir prächtig neben dem ab und zu aufkomenden Heimweh. Ich mache auch viel mit Freunden und mir gefällt es immer mehr in der Jazz Band. Ich werde mich weiterhin melden und hoffe euch allen geht es gut.

Viele Liebe Grüße aus Uganda
Eure Janine

2. Rundbrief Brasilien, Florian Bömer

Liebe Freunde und Bekannte,

ich sitze gerade im Wohnzimmer im Haus meiner Gastfamilie und blicke auf eine der zahlreichen Gottesmüttern die im Haus stehen, den leuchtenden Weihnachtsbaum und im Hintergrund höre ich die relativ laute brasilianische Musik aus dem Zimmer meines Gastbruders. Während dessen trommelt starker Sturzregen auf das Dach und schnell bilden sich kleine Bäche auf der Straße, denn seit kurzem hat die Regenzeit begonnen, in der es ab und zu einen heftigen Schauer gibt. Die perfekte Atmosphäre um den zweiten Rundbrief zu schreiben, denn es ist einiges geschehen in den letzten Monaten.

 

Eine Straße Parnaibas nach einem kräftigen Sturzregen in der Regenzeit

Heute ist der 28. Dezember und in den letzten Tagen habe ich das Weihnachtsfest hier in Brasilien erlebt. Nach Telefonaten mit meiner Familie in Deutschland ist mir aufgefallen, dass Weihnachten bei den Brasilianern in kleinerem Rahmen gefeiert wird als in Deutschland. So kündigte während der Adventszeit neben der festlichen Beleuchtung auf den verschiedenen Plätzen der Stadt nur Weniges das Fest an. Als meine Gastfamilie zwei Tage vor Weihnachten anfing das ganze Haus bis in die Letzte kleine Ritze zu putzen, es mit Weihnachtsschmuck schmückte und ganz viele Nachtische und andere Speisen vorbereitete, wusste ich, dass Weihnachten vor der Tür stand. Auch ich versuchte mein Bäckerglück und backte zahlreiche Plätzchen, etwas, was die Menschen hier noch nie gegessen haben. Am Heiligabend gingen wir gemeinsam in die große Kirche, die Igreja São Sebastiao,  in der eine sehr lange Messe über drei Stunden gefeiert wurde.  Danach gab es eine kleine Bescherung und ein Festessen zu Hause. Als wir am nächsten Tag an den Strand fuhren, musste ich innerlich lachen, als das Lied „White Christmas“  im Radio gespielt wurde, denn es waren weit mehr als 30 Grad.

Meine brasilianische Gastfamilie an Weihnachten.
Das Ergebnis meiner Backversuche.

 

 

Kurz vor dem Jahreswechsel fand in Parnaiba ein Halbmarathon statt bei dem ich spontan teilnahm. Die Strecke führte vom Stadtzentrum bis zum Strand Pedro do Sal und mehr als zweihundert Läufer nahmen teil. Bei den heißen Temperaturen kam ich nach eineinhalb Stunden schweißgebadet am Strand an und durfte ein Interview mit einem Lokalsender aufnehmen. Die Atmosphäre während und nach dem Marathon war sehr gut, es war ein tolles Erlebnis, teilzunehmen.

Das Neujahrsfest, dass auch am Strand stattfand, war gigantisch. Mehrere zehntausend Menschen, gefühlt die ganze Stadt, strömten zu den großen Bühnen, auf denen bekannte brasilianische  „Forro“-Musiker auftraten. Die Menge war ganz in weiß gekleidet und feierte und tanzte bis der neue Tag anbrachte. Den Sonnenaufgang verfolgten alle am Strand und zahlreiche Menschen sprangen in die Fluten und nahmen ein Bad. Feliz Ano Novo!

Da von Beginn des Monats Dezember bis Anfang Februar Ferien in meinen Projekten sind, hatte ich viel Zeit andere Dinge zu unternehmen.

Die Aktion „Natal sem Fome“ vor Weihnachten

So half ich zum Beispiel bei der Aktion „Natal sem Fome“ mit, bei der in jeder Gemeinde Parnaibas Lebensmittel gesammelt werden, die dann in Paketen gleichmäßig verpackt  und an Weihnachten den bedürftigen Familien und Menschen geschenkt werden.

 

 

Auf Einladung einiger Freunde aus der Kirchengemeinde meiner Gastfamilie, nahm ich an der Reise der Jugendlichen und jungen Erwachsenen nach Fortaleza teil. Dort steht die erste Kirche der katholischen  Gemeinde „Face de Christo“.  Die Familien der Gemeinde kommen zum Großteil aus einer wohlhabenden Gesellschaftsschicht und die Religiosität der Menschen ist enorm. Wir kamen in Fortaleza mit ungefähr 30 Jugendlichen aus Parnaiba an und trafen auf zahlreiche weitere Gläubige aus anderen Gemeinden. Während des gesamten Wochenendes wurde sehr viel gebetet, gesungen, es gab Vorträge zu religiösen Themen und auch das Zungenreden war ein Teil der Gebete. Alles fand mit sehr großer Motivation und viel Emotionalität statt, so hielten manche Gebete vor einer

Intensives Gebet in der Gemeinde „Face de Christo“

Marienstatue mehr als eine Stunde an, die jungen Menschen weinten, umarmten sich und spürten eine sehr nahe Gotteserfahrung. Für mich erschien einiges sehr gefühlsgeleitet und ich spürte einen großen Kulturunterschied. Außerhalb der Kirche ähneln die Jugendlichen in Parnaiba den Jugendlichen in Deutschland, jedoch verzichten die meisten auf jegliche Drogen und die Eltern haben oft einen sehr großen Einfluss auf ihre Kinder.  Die Religiosität hat in Brasilien, der größten katholischen Nation, einen sehr großen Stellenwert und ist im Alltag überall präsent. So findet man beispielsweise auf Whatsapp täglich etliche Bilder, auf welchen Gott gedankt wird.  Selbst der Kauf eines Autos wird von vielen Menschen als Geschenk Gottes gesehen. Für mich war dieser Einblick sehr interessant und hat mir klar gezeigt, dass hier weitaus mehr junge Menschen von der Kirche angesprochen werden, als in Deutschland.

Ein Foto mit Padre Henrique nach der Sonntagsmesse.

Auch in meinem Alltag spielt die Kirche eine größere Rolle als in Deutschland. Eine andere Auffassung und Umsetzung  religiöser Einstellungen, als die der Gemeinde meiner Gastfamilie, hat der Pfarrer vor Ort, Padre Heinrich Hegemann. Er selbst ist Priester aus Deutschland und arbeitet hier im Nordosten Brasiliens schon mehr als 20 Jahre seines Lebens. In dieser Zeit hat er in seinen Gemeinden etliche Projekte umgesetzt, wie beispielsweise der  Bau zahlreicher Brunnen oder ein Webstuhlprojekt, dass im Moment gestartet wird. Fast jeden Sonntag begleite ich ihn in die Messe auf der „ Ilha Grande“ oder auf andere Inseln des Flussdeltas, die teilweise nur per Boot zu erreichen sind. Sehr interessant finde ich auch, dass er wöchentlich nach den Messen zahlreiche Taufen durchführt. So sind es manchmal 15 oder mehr auf einmal.  Für mich ist es immer sehr spannend ihn zu begleiten, so  erfahre ich einiges über die Kultur und Geschichte der Menschen. Ich bekomme einen Einblick, der mir sonst verwehrt bliebe.

 

auf der „Ilha do Bananao“

Ein weiteres Abenteuer, eines, so wie es im Bilderbuch steht, konnte ich Dank eines Kontaktes von Padre Henrique erleben. Einer seiner Diakone besitzt auf einer weitestgehend unbewohnten Insel des riesigen Flussdeltas, der Ilha do Bananau, ein kleines Stück Land. Mit einem Kanu, dass einen kleinen Motor hat, fuhren wir, der Diakon, sein Sohn, Lucas, ein Freund von mir und ich, mehr als eineinhalb Stunden durch die vielen Flussverzweigungen und die wunderschöne Natur bis zu unserem Ziel. Auf der Insel gibt es zahlreiche tropische Früchte, Mangos, Bananen, Kokosnüsse, Acerola, Zuckerrohr, Maniok und vieles mehr. Wir schliefen dort fünf Tage in Hängematten unter freiem Himmel mit gigantischem Sternenhimmel.  Neben Hunden, Hühnern und Kühen, die verstreut auf der Insel  als Nutztiere leben, ist es sonst sehr einsam dort und weit entfernt von Zivilisation und Handyempfang.

Harte körperliche Arbeit auf der Insel.

Mit dem Sonnenaufgang standen wir auf und fingen früh an zu arbeiten. Das Kanu ist das einzige Verkehrsmittel und mit diesem fuhren wir an andere Stellen der Insel,  um zu arbeiten. An einem Tag holten wir Feuerholz aus dem dichten Unterholz des Walds und an einem anderen Tag füllten wir 40 Kilogramm schwere Säcke mit „Bagana“, einem Naturdünger der Carnaubapalme, auf und transportierten ihn bis zur „Horta“, dem

Nutzgarten. Selbst die große Zuckerrohrpresse wurde durch langes im Kreis gehen durch Muskelkraft angetrieben. Die Arbeit über viele Stunden ohne viele Hilfsmittel in der tropischen Hitze war sehr anstrengend, aber eine spannende Erfahrung. In der freien Zeit gingen wir Fischen, immer mit Erfolg,  da die Deltalandschaft voll von Krebsen, Garnelen, zahlreichen Fischarten und Muscheln ist. Auch konnten wir an manchen Stellen schwimmen, jedoch musste man immer auf Wasserschlangen, Krokodile und Rochen aufpassen, die auch ein Teil des Ökosystems sind. Das Essen dort ist wunderbar, da man nur das isst, was es auf der Insel gibt. Nach fünf Tagen, war ich traurig, dass das Abenteuer schon vorbei war und als wir in der Zivilisation ankamen, erschienen etliche Nachrichten auf dem Smartphone, etwas, dass ich in der Zeit überhaupt nicht vermisst hatte.

Als letztes Thema möchte ich die Präsidentschaftswahl Brasiliens und meinen Eindruck, was die Menschen hier bewegt, mit euch teilen. Jetzt am 1. Januar  wird Jair Bolsonaro das Amt des brasilianischen Präsidenten antreten, da er mehrheitlich gewählt wurde. Bolsonaro vertritt  rechtskonservative und neoliberale Positionen und erlangte im Wahlkampf große Aufmerksamkeit durch frauesexistische, homophoberassistische und die brasilianische Militärdiktatur verteidigenden Äußerungen. Er war ständiges Thema in den Medien, die er als selber als „Fakenews“ bezeichnete.

In der Region des Nordostens, in der ich hier lebe und die wirtschaftlich schwächer ist als der Rest Brasiliens, ging er als klarer Wahlverlierer hervor. Jedoch waren viele Menschen von den Korruptionsskandalen und dem Kandidaten der Arbeiterpartei nicht überzeugt, da er für viele als Marionette Lula da Silvas erschien, der nicht erneut zur Wahl antreten konnte. Viele Menschen mit denen ich hier gesprochen habe, sind vor allem mit der Sicherheitslage unzufrieden und sahen Bolsonaro, der radikale Veränderungen anstrebt, in diesem Punkt als vertrauenswürdiger für Veränderungen.

In den deutschen Medien habe ich oft gesehen, dass Ausnahmezustände und krasser Hass der beiden politischen Seiten während des Wahlkampfs  dargestellt wurden. Diesen Eindruck, einer gespaltenen Gesellschaft, habe ich hier in Parnaiba nicht bekommen und würde die Lage nicht als sehr angespannt beschreiben. Im Gegenteil, viele Menschen hier mit denen ich gesprochen habe zeigten geringes Interesse an Politik und haben den Eindruck, dass ihre Stimme bei der Wahl so gut wie nichts bewirkt. Sie  gingen nur wählen, weil Wahlpflicht besteht. Mir ist durch die Wahl hier sehr stark aufgefallen, wie unterschiedlich die Politik hier in Brasilien im Vergleich zu Deutschland ist und dass andere Faktoren eine Wahlen entscheiden. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was sich in der kommenden Zeit verändert.

Herzlichen Dank für das Lesen meines Rundbriefes und dafür, dass ihr mir diesen spannende Zeit in Brasilien durch eure Unterstützung mit ermöglicht. Ich wünsche allen einen guten Start ins Neue Jahr und bis bald!

Euer Florian

Ruanda: 1. Rundbrief von Leonhard Szekessy

Hallo liebe Familie, Freunde, Bekannte und Hallo lieber Soli-Kreis!

Wie einige von Euch mittlerweile sicher mitbekommen haben, bin ich nicht wie erwartet in Awgu, Nigeria gelandet.

Das Auswärtige Amt hat kurz vor meinem geplanten Abflugtermin die Projektstelle aus Sicherheitsgründen nicht verlängert.

Darüber war ich zunächst sehr traurig, weil ich mich schon sehr auf diese Einsatzstelle gefreut und mich darauf auch vorbereitet hatte.

Aber was soll man machen – nicht alles im Leben ist planbar.

Also suchte Anne schnell Kontakt zu anderen Einsatzstellen weltweit und bemühte sich zusammen mit mir, schnellstmöglich eine für mich geeignete Alternative zu finden.

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Ruanda: 2. Rundbrief von Felix Flämig

Nach den ersten gut 4 Monaten in Ruanda neigt sich das Jahr 2018 dem Ende zu. Das Schuljahr ist vorbei und es heißt mal ein bisschen zu entspannen und das Erlebte zu verarbeiten.

Auch in diesen letzten zwei Monaten ist so viel passiert, sodass ich mir eigentlich vornehmen könnte ein ganzes Buch zu schreiben – keine Angst, ich versuche mich wieder einmal kurz zu halten ! Ruanda: 2. Rundbrief von Felix Flämig weiterlesen

2. Rundbrief Brasilien, Florian Bömer

 

Liebe Freunde und Bekannte,

ich sitze gerade im Wohnzimmer im Haus meiner Gastfamilie und blicke auf eine der zahlreichen Gottesmuttern die im Haus stehen und den leuchtenden Weihnachtsbaum. Im Hintergrund höre ich die relativ laute brasilianische Musik aus dem Zimmer meines Gastbruders. Währenddessen trommelt starker Sturzregen auf das Dach und schnell bilden sich kleine Bäche auf der Straße, denn seit kurzem hat die Regenzeit begonnen, in der es ab und zu einen heftigen Schauer gibt. Die perfekte Atmosphäre um den zweiten Rundbrief zu schreiben, denn es ist einiges geschehen in den letzten Monaten.

2. Rundbrief Brasilien, Florian Bömer weiterlesen

Indien, 1. Rundbrief Hanna Goebel

1. Rundbrief: Indien, Friendly Home

Jetzt bin ich schon über 3 Monate hier und es wird Zeit für meinen ersten Rundbrief. Ich hätte nicht gedacht, dass es mir so schwer fällt über die bisherige Zeit zu schreiben aber ich habe einfach schon so viel erlebt, dass ich gar nicht weiß wo genau ich anfangen soll…..
Als erstes ist zu sagen, dass es sich hierbei um meine eigenen Wahrnehmungen und Erfahrungen handelt und dies auf gar keinen Fall verallgemeinert auf das Land Indien oder den Bundesstaat Tamil Nadu zu trifft. Dabei muss man immer bedenken, dass ich aus Deutschland komme und die Kultur nicht richtig kenne und manchmal auch noch nicht richtig verstehe. Indien, 1. Rundbrief Hanna Goebel weiterlesen

Uganda: 1.Rundbrief von Katarina Alsbach

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freunde, Verwandte und Interessierte,

nach drei Monaten in Uganda ist es nun an der Zeit, den ersten Rundbrief zu verfassen. Es gibt Momente, in denen fällt es mir selbst noch schwer zu realisieren, dass ich tatsächlich hier bin und ich muss mich selbst erinnern: „Hey Kati, das ist gerade dein Freiwilligendienst! Du bist in Afrika!“. Und doch sind nun schon drei Monate seit dem Tag vergangen, an dem ich in Düsseldorf in den Flieger gestiegen bin, voller Vorfreude, Angst, Abschiedsschmerz und Aufregung. Drei Monate Uganda? Das waren für mich drei Monate voller neuer Eindrücke und Erlebnisse, voller Fremdheit und Glücksgefühle. Drei Monate voller Erdnüsse, riesigen Portionen an Essen, Unmengen an Zucker im Tee, Sonnenschein und Hitze. Aber vor allem kann ich sagen, dass es drei überwiegend schöne Monate waren auf die ich jetzt schon mit einem Lächeln und voller Dankbarkeit zurückblicke.

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Gambia: 1. Rundbrief von Madina Michel

 

Liebe LeserInnen,

fast vier Monate ist es nun schon her, dass ich um 7:25 Uhr in Frankfurt in ein Flugzeug gestiegen bin, mit dem Wissen, dass ich aller Wahrscheinlichkeit nach erst 13 Monate später wieder nach Deutschland zurückkehren werde. Ich musste mich schweren Herzens von meiner Familie und meinen Freunden verabschieden und machte mich auf zu meinem ganz eigenen großen Abenteuer. Mein Abenteuer Gambia.
Heute möchte ich euch also von meinen ersten Erfahrungen während dieses Abenteuers berichten. Gambia: 1. Rundbrief von Madina Michel weiterlesen